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KNX-Installationsbus

Inhaltsverzeichnis
Abb. 1.01: KNX- und EIB-Logos nebeneinander auf einer KNX-Komponente
Abb. 1.01: KNX- und EIB-Logos nebeneinander auf einer KNX-Komponente

1. Allgemeines

Mitte der 1980er Jahre wurden die ersten Überlegungen zu einer elektronischen Gebäudeautomation, die auf einem Bussystem beruhen sollte, angestellt. Ziel dieser Entwicklung sollte ein intelligentes Gebäude sein, das seine Bewohner durch Automation Alltagslasten abnimmt und das Leben komfortabler gestaltet.   Gleichzeitig sollte die eingesetzte Energie effizienter genutzt werden.
Verschiedene Firmen entwickelten mehrere Systeme, die nicht zueinander kompatibel waren. Man erkannte, dass proprietäre Systeme nicht den gewünschten Marktdurchbruch erlangen würden. Daher schlossen sich 1990 in Deutschland einige führende Hersteller von Installationstechnik, Haushaltsgeräten und Klima- und Lüftungskomponenten ( Berker, Jung, Gira, Merten und Siemens) zur EIBA (European Installation Bus Association) zusammen um einen gemeinsamen Standard zu schaffen. Ähnliche Ziele verfolgte auch der BCI (BatiBus Club International), eine Gemeinschaft mehrerer schweizerischer und französischer Hersteller und die niederländische EHSA (European Home System Association).
1999 schlossen sich die EIBA, der BCI und die EHSA zunächst zur Konnex-Association, die dann später in KNX-Association umbenannt wurde, zusammen. Aus der Zusammenarbeit resultierte 2002 die Spezifizierung des KNX-Standards, der 2003 in die EU-Norm EN 50090 und im Jahr 2006 in den internationalen Standard ISO/IEC 14543-3 übernommen wurde.
Im Zuge der Umbenennung der wurde auch die Bezeichnung Europäischer Installationsbus EIB in KNX-Bus geändert. An den technischen Spezifikationen hat sich nichts geändert. Viele Hersteller kennzeichnen ihre Komponenten sowohl mit dem EIB-Logo als auch mit dem KNX-Symbol.

2. Netzstrukturen

Klassisch oder modern?
Abb. 2.01: Der klassische Anschluss von vier Leuchtkörpern (oben)
Abb. 2.01: Der klassische Anschluss von vier Leuchtkörpern (oben)

Wird heutzutage ein Wohnhaus neu gebaut oder ein bestehendes Gebäude kernsaniert, stehen Bauherr und Architekt vor der Entscheidung die Elektroinstallation entweder konventionell oder mit moderner busgesteuerter Systemtechnik auszuführen. Die Entscheidung für das Eine oder das Andere ist auf jeden Fall VOR der Planung der Anlage zu fällen, denn eine konventionelle Installation unterscheidet sich grundlegend von der eines "Smart Homes". Eine Nachrüstung einer bestehenden klassischen Installation ist wenig sinnvoll da sie nur mit einem hohen finanziellen und technischem Aufwand, der praktisch einer Neuinstallation gleichkommt, möglich ist.

Als Beispiel zum Vergleich der unterschiedlichen Strukturen zwischen einer konventionellen Installation und einem busgesteuerten System sollen die Abbildungen 2.01 und 2.02 dienen. Beide stellen die Schaltung einer Deckenbeleuchtung in einem Büro dar. In der klassischen Variante wird die "Phase" direkt geschaltet. Alle Leitungen führen Laststrom.

Abb. 2.02: Steuerung der Beleuchtung über KNX (rechts)
Abb. 2.02: Steuerung der Beleuchtung über KNX (rechts)

Abbildung 2.02 zeigt die für Gebäudeautomation typische Trennung zwischen Steuernetz und Leistungsnetz. Das Steuernetz besteht aus Busteilnehmern (= Sender und Empfänger = Sensoren und Aktoren), die über den KNX-Bus (hier der sog. KNX-TP-Bus) miteinander verbunden sind. Der KNX-Bus stellt gleichzeitig eine 29V-Gleichspannung (Bus + und Bus -) als Betriebsspannungen für die Signal- und Kleinleistungsstufen innerhalb der Buskomponenten bereit.
Als Bedienelemente der "modernen" Bürobeleuchtung stehen vier Wipptaster im 4fach-Sensor bereit. Wird zum Beispiel die Tastenwippe "1/3 EIN" betätigt, sendet der Sensor über die als Busankoppler bezeichnete Schnittstelle ein mit spezifischen Informationen versehenes Datentelegramm auf den KNX-Bus. Alle Busteilnehmer auf dem KNX-Bus lesen alle Datentelegramme. Aus der im Telegramm eingebetteten Adressinformation erfahren die Busteilnehmer, für wen dieses Telegramm bestimmt ist. Nur der Adressat, an den das Telegramm gerichtet ist, verarbeitet es weiter.
In unserem Beispiel ist das Telegramm an den Busteilnehmer "Aktor" (Aktor = "Betätiger") gerichtet. "Aktor" wertet die im Telegramm eingebettete Information aus und schaltet in unserem Fall den Schalter "1/3" in die EIN-Position, wodurch die Lichtschiene 3 eingeschaltet wird. Manch ein Leser wird sich bei diesen Zeilen fragen:"Warum einfach, wenn es kompliziert geht", wobei bei diesem sehr einfachen Beispiel dieser Meinung auch beizupflichten wäre. Aber Gebäudeautomation findet nicht in einem oder zwei Räumen statt, sondern soll komplexe Systeme in Häuser und Gebäuden steuern. Und schon wenige Erweiterungen würden das obige Beispiel an die Grenzen des mit konventioneller Installation Machbaren bringen.

Die erste Erweiterung des obigen Beispiels soll eine Zeitschaltfunktion sein, die die gesamte Beleuchtung nach Büroschluss um 20:00 Uhr abschalten soll. Eine weitere Erweiterung soll ein Lichtsensor sein, der bei ausreichendem Tageslicht die am Fenster gelegenen Beleuchtungsschienen 1 und 3 ausschalten soll. 
Für eine in der konventionellen Installationstechnik Anlage würden diese einfachen Erweiterungen für umfangreiche Kabelverlegungsarbeiten sorgen, die zudem "hartverdrahtet" und somit unflexibel wäre.

Abb. 2.03: Automation der Beleuchtungssteuerung
Abb. 2.03: Automation der Beleuchtungssteuerung

Die gleichen Erweiterungen machen indes bei einer bestehenden KNX-Installation kaum nennenswerten Aufwand. Es werden nur zwei Buskomponenten, eine Zeitschaltuhr und ein Lichtsensor, hinzugefügt. Die meiste Arbeit macht das Programmieren der neu hinzugekommenen Komponenten und das Konfigurieren des Aktors.
Eine weitere sinnvolle Erweiterung, die sich mit konventioneller Technik nur aufwändig, mit KNX jedoch überaus einfach zu installieren wäre, ist ein Präsenzdetektor (Bewegungsmelder), der die Zeitschaltuhr übersteuert, wenn sich Spätarbeiter oder Einbrecher im Büro aufhalten sollten.
Abbildung 2.03 verdeutlicht ein weiteres Kernprinzip des KNX-Installationsbusses: In einem KNX-System gibt es keine zentrale Steuereinheit. Die "Intelligenz" des Systems ist im Netz verteilt. Jeder Busteilnehmer ist spezialisiert und übernimmt einen Aspekt der Gesamtfunktion.

3. Übertragungsmedien

Ein KNX-Bus kann mit mehreren Übertragungsmedien bzw. Übertragungsverfahren realisiert werden.

  • KNX-Twisted Pair (KNX-TP) nutzt ein verseiltes Leitungspaar zur Übertragung.
  • Beim KNX-PowerLine (KNX-PL) nutzt man die vorhandene 230V-Elektoinstallation, indem die Dateninformation mittels zweier Hochfrequenzträger (105,6 kHz und 115,2 kHz) auf die 50Hz-Wechselspannung  aufmoduliert wird.
  • KNX Radio Frequency (KNX-RF) verwendet Funk (Mittenfrequenz: 868,3 MHz, Sendeleistung: 1-25 mW, "Wireless M-Bus (DIN EN 13757-4)")
  • Übertragung über Ethernet (KNX-IP)
KNX-TP

KNX-TP ist die am weitesten verbreitete Installationsart und soll an dieser Stelle als einzige näher beschrieben werden.
Wie schon weiter oben gezeigt, dient ein KNX-TP-Bus nicht nur zur Übertragung von Daten, sondern es werden auch alle Busteilnehmer über den Bus mit einer Betriebsspannung versorgt. Alle Busteilnehmer sind auf dem Bus parallel geschaltet.
Die Busleitung selber ist ein grün ummanteltes, abgeschirmtes 4-adriges Kabel (YCYM 2 x 2 x 0,8) nach den KNX-Spezifikationen (EN 50090-2-1 und EN 50090-2-2). Da es gemeinsam mit den 230V-Stromleitungen verlegt wird, muss es einer Prüfspannung von 4kV widerstehen können. Die Abschirmung darf nirgendwo aufgelegt oder geerdet werden.
Als KNX-Datenbus wird in der Regel nur der schwarze (Bus -) und der rote Leiter (Bus +) verwendet. Das zweite, freie Adernpaar (weiß und gelb) dient als Reserve oder kann für andere Zwecke, z.B. für Hilfsspannungen (beispielsweise die Betriebsspannung für die Heizung des Regensensors in einer Wetterstation) verwendet werden. Der Maximalstrom muss auf 2,5A begrenzt werden.

Um eine sichere Datenübertragung auch bei umgebender Störstrahlung zu gewährleisten wird eine nicht auf Masse bezogene, symmetrische, differentielle Signalübertragung verwendet. Dieses bringt zusätzlich den Vorteil, dass (im Gegensatz z.B. zum RS-232-Übertragungsverfahren) keine Probleme mit Masseschleifen auftreten können. Der Signalpegel des Datensignal beträgt ca. 5V, die auf die Busgleichspannung aufmoduliert werden.
Der Anschluss der Busteilnehmer erfolgt mit Busklemmen, durch die die Busleitungen durchgeschleift werden. Hierdurch kann eine Busklemme von einem Busteilnehmer abgezogen werden, ohne dass die anderen Busteilnehmer ihre Betriebsspannung verlieren.

Abb. 3.01: Die Busleitungen werden durch die Anschlussklemmen durchgeschleift
Abb. 3.01: Die Busleitungen werden durch die Anschlussklemmen durchgeschleift
Abb. 3.02: KNX-Anschlussklemmen (Enddose)
Abb. 3.02: KNX-Anschlussklemmen (Enddose)

Aufgrund des Spannungsabfalls, den Signallaufzeiten bei langen Busleitungen und den Vorschriften der Mindestbetriebsspannung für Busteilnehmer (= 21 V), darf der Abstand zwischen dem Netzteil und dem entferntesten Busteilnehmer innerhalb eines Netzsegments maximal 350 Meter betragen. Zwischen zwei Teilnehmer darf der Abstand maximal 700 Meter betragen. Die maximale Leitungslänge (Linienlänge) sollte 1000 Meter nicht überschreiten.

4. KNX-Komponenten

4.1. Bauformen

Ein KNX-System setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Sie können abhängig vom Einsatzort unterschiedliche Bauformen haben.

Abb. 3.01: Bauformen von KNX-Busteilnehmern. Alle gezeigten Komponenten sind Schaltaktoren.
Abb. 3.01: Bauformen von KNX-Busteilnehmern. Alle gezeigten Komponenten sind Schaltaktoren. (Einzelfotos: [1])

Werden in Zimmern hauptsächlich Unterputz- und Einbaukomponenten verbaut, kommen in größeren Bereichen, z.B. Büros oder Sälen, auch Aufputzgeräte zum Einsatz. KNX-Verteilzentralen sind in Schaltschränken untergebracht, in denen die KNX-Komponenten auf Hut-Schienen reihenweise montiert sind.
Unterputz-Busteilnehmer (sog. Busankoppler) können abhängig vom verwendeten Aufsatz sehr unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen, während Aufputz-, Einbau- und Reiheneinbaukomponenten meist auf eine Aufgabe (Schalten, Stellen, Dimmen, ...) spezialisiert sind.

4.2. Typen

4.2.1. Busteilnehmer

Die wichtigsten KNX-Komponenten sind natürlich die Busteilnehmer. Busteilnehmer können Datentelegramme auf dem KNX-Bus empfangen und senden. Unterschieden wird zwischen Sendern (Sensoren), Empfängern (Aktoren) und Systemelementen (Koppler, Verteiler, Schnittstellen).
Sender (Sensoren)
Sender sind Einheiten, die Informationen aufnehmen, wie Temperaturfühler, Bewegungsmelder, Tastschalter oder DCF-Empfänger, die Information in einen digitalen Wert oder Befehl kodieren und als Datentelegramm an einen dedizierten Empfänger schicken. Jeder Sender hat eine definierte Anzahl von Eingängen.
Empfänger (Aktoren)
Empfänger sind Einheiten, die an sie gerichtete Datentelegramme im Datenstrom auf dem KNX-Bus erkennen und die enthaltene Information selektieren. Die empfangene Information wird mit einem vorgegebenen Algorithmus interpretiert und in eine Schaltfunktion (Binärer Schaltaktor (EIN/AUS)), in eine Stellgröße (Analogausgang größer/kleiner) oder in eine digitale Displayinformation dekodiert. Jeder Empfänger hat eine definierte Anzahl von Ausgängen.

Systemelemente

KNX-Systeme mit mehr als 64 Busteilnehmern müssen in Segmente aufgeteilt werden. Koppelelemente wie Linienkoppler und Bereichskoppler verbinden diese Segmente (Teilnetze) zu größeren Einheiten und filtern Telegramme von intern, die nicht für Empfänger außerhalb des eigenen Segments bestimmt sind und Telegramme von extern, die nicht für das eigene Segment bestimmt sind, aus dem Datenstrom heraus. Diese Maßnahme reduziert den Datenverkehr in allen Bereichen eines KNX-Systems erheblich, ohne dass die Reaktionsgeschwindigkeit in den Teilnetze beeinträchtigt wird.

Das KNX-System ist, wie andere Gebäudeautomationssysteme auch, ein hierarchisch strukturiertes System mit mehreren Kommunikationsebenen. Die Komponenten auf dem KNX-Bus arbeiten zwar im normalen Betrieb im Rahmen der vorgegebenen Protokolle autark, müssen aber vor Inbetriebnahme konfiguriert werden. Auch sollten bestimmte Komponenten in der Lage sein gewisse Ereignisse zu protokollieren und an eine übergeordnete Administrationsebene zu melden. Da KNX lediglich ein lokaler Steuerungsbus mit einer relativ geringen Datenübertragungsrate ist und kein normaler PC mit einer KNX-Schnittstelle ausgestattet ist, schaffen Schnittstellen (Interfaces) einen schnellen PC-konformen Zugang über USB, RS 232 oder Ethernet, vorausgesetzt auf dem PC ist eine passende Management-Software (ETS) installiert.
Eine Sonderstellung nehmen die Speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS), die zumeist nur in Nutzbauten verwendet werden, ein. Diese sind in sich geschlossene Systeme, die den KNX-Bus ebenfalls als Übertragungsmedium zur Kommunikation mitbenutzen können.

4.2.2. Infrastruktur-Elemente

Infrastruktur-Elemente sind Komponenten, die zwar zu einem KNX-System gehören, aber passiv sind, d.h. sie nehmen nicht an der Kommunikation auf dem KNX-Bus teil. Zu diesen Komponenten gehören in erster Linie Spannungsversorgungen (Netzteile) und die dazugehörenden Drosseln.
Alle auf dem KNX-Bus befindlichen Komponenten werden über diesen auch mit einer Betriebsspannung versorgt, die den elektrischen Impulsen der Datentelegramme als Gleichspannung überlagert ist. Laut KNX-Spezifikation muss die Busgleichspannung, abhängig von der Last, zwischen 21 und 32 V (Nennspannung 31V +1V) liegen.
Eine KNX-Komponente, egal ob Sensor oder Aktor, benötigt im Schnitt ca. 10 mA Betriebsstrom. Abhängig von der Anzahl der Komponenten auf dem KNX-Bus kann die Stärke des einzusetzenden Netzteils an den Leistungsbedarf angepasst werden. KNX-Die Herstellerindustrie liefert Netzteile in den Leistungsklassen 160mA, 320 mA und 640mA.

WICHTIG:
  • Jedes KNX-Teilnetz (Linie, Bereich) benötigt ein eigenes Netzteil!
  • Auf einer Linie dürfen sich maximal 64 Teilnehmer befinden!

Drosseln, heute meist bereits in die Netzteile integriert, sollen verhindern, dass die höherfrequenten Wechselspannungskomponenten der Datentelegramme durch den niedrigen Innenwiderstand des Netzteils bedämpft bzw. kurzgeschlossen werden.

Bei sehr langen Busleitungen können Linienverstärker eingesetzt werden um die Datentelegramme zu regenerieren.

4.3. Aufbau und Funktionsweise von Busteilnehmern

Jeder KNX-Busteilnehmer folgt im Aufbau dem gleichen Prinzip. Das Blockbild Abb. 4.01 zeigt die beiden wesentlichen Baugruppen: den Busankoppler und das Anwendungsmodul.

4.3.1. Busankoppler

Der Busankoppler (engl.: Bus Coupling Unit = BCU) ist direkt mit dem Übertragungsmedium (KNX-Bus oder dem 230V AC-Netz bei Power Line) verbunden. Auf dem Übertragungsmodul wird über die Primärwickling eines Übertragers die Busgleichspannung ausgekoppelt. Die Impedanz der Wicklung wirkt wie ein Tiefpassfilter und sperrt die Wechselspannung der Dateninformation auf dem Bus, sodass nur die reine Gleichspannung zur Verfügung steht. Diese wird mittels Festspannungsregler auf die 5V- und 24V-Betriebsspannungen stabilisiert. Überwachungsstufen erzeugen Hilfssignale (Reset, Save, Power Fail), die von der Mikrokontrollersteuerung auf dem Ankoppelkontroller für einen sicheren Betrieb benötigt werden.
Der Ankoppelkontroller bildet die Intelligenz des Busteilnehmers. Er besteht aus einem Standard-Mikrokontroller, Speicher unterschiedlicher Typen und Interfaceschaltungen zur Datenübertragung. Die Intelligenz erhält der Ankoppelkontroller von einem sog. Applikationsprogramm, das bei der Konfiguration des Busteilnehmers über den KNX-Bus in dessen nichtflüchtigen Speicher (FLASH-RAM, früher EEPROM) übertragen wird. Das Anwendungsprogramm entscheidet, ob der Busteilnehmer ein Sensor oder Aktor ist und welche spezifischen Funktionen das Gerät zu erfüllen hat. Die Anwendungssoftware wird vom Gerätehersteller in einer Datenbank zum Download angeboten. Das Gerät (bestehend aus Busankoppler und Anwendungsmodul) und Anwendungssoftware sollten normalerweise immer vom gleichen Hersteller stammen. Um dieses zu gewährleisten müssen die Herstellerkennungen des Applikationsprogramms und des Busankopplers zum Laden des Applikationsprogrammes übereinstimmen.
Im FLASH RAM werden auch die Konfiguration (Physikalische Adresse, Gruppenadresse, Anwendungsparameter usw. ) des Busteilnehmers abgelegt. Das Anwendungsprogramm und die Konfigurationsdaten gehen auch bei einem Stromausfall oder dem Abziehen des Bussteckers nicht verloren. Die Betriebssoftware (Bootloader, Schreiben und Lesen der Telegramme, Kommunikationsprotokolle, Speichern von wichtigen Daten aus dem Arbeitsspeicher in den nichtflüchtigen Speicher bei Stromausfall, usw.) und auch die Herstellerkennung befindet sich in einem nicht überschreibbaren, maskenprogrammierten ROM. Ein flüchtiges RAM dient als Arbeitsspeicher für temporäre Daten.

Abb. 4.01: Prinzipbild des Aufbaus eines KNX-Busteilnehmers
Abb. 4.01: Prinzipbild des Aufbaus eines KNX-Busteilnehmers

4.3.2. Anwendungsmodul

Das Anwendungsmodul bestimmt, welche Eigenschaften der Busteilnehmer als Bus-Endgerät hat. Der Busankoppler kann hierzu mit vielen unterschiedlichen Bedien-, Display-, Schalt- oder Sensoraufsätzen versehen werden. Die Verbindung zwischen Busankoppler und dem Anwendungsmodul wird über eine 10- oder 12polige Steckverbindung, die Anwendungsschnittstelle (AST), hergestellt. Über die AST wird das Anwendungsmodul mit Betriebsspannung versorgt und über mehrere Datenleitungen an den Ankoppelkontroller angebunden. Anhand des Spannungsabfalls über dem Kennungswiderstand RTYP auf dem Anwendungsmodul kann der Ankopplelkontroller erkennen um welchen Typ von Anwendungsmodul es sich handelt (z.B.: 0,50V = 4 Binär – (Analog-) Eingänge, 1 Binärausgang oder 1,00V = 2 Binär – (Analog-) Eingänge, 2+1 Binärausgang.
Welche Funktion die einzelnen Datenleitungen haben, wird dann vom Anwendungsprogramm bestimmt. So können bei einfachen Tastsensoren die Schalter direkt mit den Datenleitungen verbunden sein, während sie bei aufwändigeren Anwendungsmodulen, die vielleicht sogar auch noch über einen eigenen Mikrocontroller verfügen, als Datenbus dienen.

  • Bei einem Sensor gibt das Applikationsmodul Informationen an den Busankoppler, der diese kodiert und sendet. Der Busankoppler überprüft dazu regelmäßig den Zustand des Applikationsmodules.
  • Ist das Anwendungsmodul ein Aktor, empfängt der Busankoppler Telegramme am KNX-BUS, dekodiert diese und gibt die Information an das Applikationsmodul.
  • Ein Kontroller beeinflusst den Datenaustausch zwischen Sensoren und Aktoren (z.B. Logikmodul).
Abb. 4.02: Unterputz-Busankoppler sind universell mit Anwendungsmodulen kombinierbar
Abb. 4.02: Unterputz-Busankoppler sind universell mit Anwendungsmodulen kombinierbar (Einzelfotos: [1])
Abb. 4.03: Bedienelemente und Schnittstellen eines Unterputz-Busankopplers
Abb. 4.03: Bedienelemente und Schnittstellen eines Unterputz-Busankopplers
Abb. 4.04: Intelligente Anwendungsmodule mit Display ermöglichen einfache Bedienkonzepte, bei denen alle Funktionen (Licht, Heizung, Jalousien) über nur einen Tastsensor betätigt werden können.
Abb. 4.04: Intelligente Anwendungsmodule mit Display ermöglichen einfache Bedienkonzepte, bei denen alle Funktionen (Licht, Heizung, Jalousien) über nur einen Tastsensor betätigt werden können.[1]

5. Topologien von KNX-Installationsnetzen

Die Topologie beschreibt die hierarchische Gliederung von KNX-Installationsnetzen. Eine Gliederung des Netzes wird notwendig, sobald das Netz eine gewisse Größe überschreitet. Die Größe des Netzes wird sowohl von der Anzahl der Teilnehmer, als auch von der physikalischen Ausdehnung bestimmt.
Aber auch aus praktischen Gründen, z.B. den baulichen Begebenheiten eines Objekts, machen es sinnvoll (oder notwendig) eine KNX-Installation in mehrere Segmente zu unterteilen.

Linien

Die kleinste Einheit eines KNX-Netzes ist die Linie. Eine Linie besteht aus einer Spannungsversorgung (SV), einem KNX-Busstrang und den darauf angeschlossenen Teilnehmern (TLN). Dabei muss mindestens ein Teilnehmer ein Sensor und mindestens ein Teilnehmer ein Aktor sein. Die maximale Anzahl der Teilnehmer auf einer Linie wird von der Leistungsfähigkeit (Belastbarkeit) dessen Stromversorgung festgelegt. Wird die stärkste Netzteilvariante mit 640 mA Dauerstrom verwendet, können (bei einer durchschnittlichen Stromaufnahme von 10 mA pro Teilnehmer) maximal 64 Teilnehmer auf eine Linie geschaltet werden.
Der größte Teil der Kommunikation zwischen Busteilnehmern findet auf Linienebene statt.

Abb. 5.01: Eine Linie ist mit bis zu 64 Teilnehmern die kleinste KNX-Installationseinheit
Abb. 5.01: Eine Linie ist mit bis zu 64 Teilnehmern die kleinste KNX-Installationseinheit
Bereich

Besteht Bedarf nach mehr als 64 Teilnehmern können zwei oder mehr Linien (bis zu 15) zu einem Bereich zusammengeschaltet werden. Die Verbindung der einzelnen Linien mit der gemeinsamen Hauptlinie wird über sog. Linienkoppler vorgenommen. Die Linienkoppler auf der Hauptlinie müssen aus einem eigenen Netzteil an der Hauptlinie versorgt werden.
Linienkoppler dienen zu Einen zur galvanischen Trennung zwischen Linie und Hauptlinie (sodass z.B. ein Kurzschluss auf einer Linie keine Auswirkung auf die Hauptlinie hat) zum Anderen dienen sie zum Filtern der Telegramme, die über die Hauptlinie für Teilnehmer auf anderen Linien bestimmt wird. Die Filterung wird mittels einer Liste durchgeführt, in der die Gruppenadressen aller Teilnehmer auf der jeweiligen Linie eingetragen sind. Die Filterung reduziert die Datenmenge, die im Netz übertragen wird, da nur Telegramme auf die Hauptlinie und andere Linien gelangen, wenn ihre Zieladresse auf Teilnehmer auf dieser Linie verweisen.
Linienkoppler zählen als Busteilnehmer. Auf einer Hauptlinie können folglich neben dem Linienkoppler nur noch 63 weitere Teilnehmer angeschlossen sein.

Abb. 5.02: Ein Bereich kann aus 15 Linien á 64 (= 960) Teilnehmer bestehen.
Abb. 5.02: Ein Bereich kann aus 15 Linien á 64 (= 960) Teilnehmer bestehen.
Kopplung von Bereichen

Für sehr große KNX-Installationen lassen sich mehrere Bereiche mittels Bereichskoppler (BK) verbinden. Bereichskoppler sind physisch und in  der Funktion identisch mit Linienkopplern. Sie unterscheiden sich lediglich durch die Filterliste, die natürlich die Gruppenadressen aller Teilnehmer eines Bereiches enthalten muss.
Zur Datenübertragung zwischen den Bereichen und zur Versorgung der Bereichskoppler wird eine den Hauptlinien übergeordnete Businstanz, die Bereichslinie, eingerichtet. Die Busteilnehmer auf der Bereichslinie werden mit einer eigenen Spannungsversorgung betrieben. Auch die Bereichslinie ist eine vollwertigen Linie, die mit bis zu 64 Teilnehmer betrieben werden kann. Allerdings dürfen sich nur 15 Bereichskoppler gleichzeitig auf dem Bus befinden. Mittels Bereichskopplung lassen ich folglich KNX-Installationen mit bis 14.400 Teilnehmern realisieren.

Abb. 5.03: Bereichskopplung
Abb. 5.03: Bereichskopplung
Linienverstärker

Eine, wenn auch in der Praxis selten angewandte Möglichkeit die Kapazität einer Linie zu erhöhen, ist der Einsatz von Linienverstärkern. Linienverstärker sind Linienkoppler, bei denen die Filterfunktion abgeschaltet wurde. Sie transportieren daher jedes Telegramm, das innerhalb der Linie übertragen wird. Die Telegramme werden lediglich aufgefrischt, sodass auf der Sekundärlinie nach dem Linienverstärker bis zu 63 weitere Teilnehmer angeschlossen werden können.
An eine Primärlinie (in Abb. 5.04 das mit "Linie 1" markierte Liniensegment) dürfen bis zu drei Linienverstärker parallel angeschlossen werden. Somit können sich auf einer Linie bis zu 256 Teilnehmer befinden.
Die Verwendung von Linienverstärkern in einer KNX-Installation kann erhebliche Nachteile mit sich bringen. Außer dass die Installation leicht unübersichtlich werden kann, ist der Hauptnachteil die fehlende Telegrammfilterung. Alle Teilnehmer erhalten alle Telegramme der anderen Teilnehmer. Durch die hohe Anzahl der Telegramme erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, das Zugriffskollisionen auftreten, weil zwei Teilnehmer gleichzeitig Telegramme senden wollen. Die erhöhte Wartezeit auf den Buszugriff setzt die Übertragungsgeschwindigkeit auf dem Bus proportional herab.

Abb. 5.04: Erweiterung einer Linie mit Linienverstärkern
Abb. 5.04: Erweiterung einer Linie mit Linienverstärkern
Topologie von Linien

Innerhalb einer Linie dürfen bei der Verlegung der Busleitung praktisch beliebige Strukturen verwendet werden. Der Bus darf an jeder Stelle verzweigt werden und Teilnehmer können beliebig parallelgeschaltet werden. Die einzige verbotene Struktur ist die des geschlossenen Kreises.

Abb. 5.05: Erlaubte Strukturen von Linien
Abb. 5.05: Erlaubte Strukturen von Linien

6. Buskommunikation

6.1. Adressierung von Busteilnehmern

KNX-Komponenten werden in hoher Stückzahl identisch produziert und in einem KNX-Netzwerk können sich viele identische Komponenten befinden. Um jedoch eine einzelne Komponente im Netz direkt ansprechen zu können, müssen alle Komponenten mit individuellen Kennzeichen ausgestattet werden, die über den KNX-Bus ansprechbar ist. Für diese direkte Adressierung gibt es bei KNX zwei Adressierungsmechanismen, die sich ergänzen.

6.1.1. Physikalische Adresse

Die physikalische Adresse wird einer Komponente bei der ersten Installation und Konfiguration fest einprogrammiert. Hierzu wird von der Managementsoftware eine ausgewählte freie Adresse zyklisch in den KNX-Bus gesendet. Alle Teilnehmer, die direkt auf dem Bus angeschlossen sind, können dieses "Angebot" wahrnehmen. Übernommen wird die physikalische Adresse vom ausgewählten Busankoppler wenn der an ihm befindliche Programmier-/Lernknopf (siehe z.B. Abb. 4.03) gedrückt wird. Während der Übernahme der physikalischen Adresse leuchtet die Programmier-LED auf und erlischt wieder, wenn die die Adresse in das FLASH RAM/EEPROM geschrieben wurde. Dort abgespeichert bleibt sie auch bei einem Betriebsspannungsausfall erhalten.
Die Vergabe der physikalischen Adressen wird von der Management-Software überwacht, damit sichergestellt ist, dass keine physikalische Adresse mehrfach vergeben wird.
Hat eine Komponente/Busankoppler eine physikalische Adresse erhalten, kann über die Management-Software das Anwendungsprogramm in den Speicher des Ankoppelkontrollers überspielt werden. Im normalen Busbetrieb verwenden die Busteilnehmer ihre physikalische Adresse in gesendeten Telegrammen als Absenderadresse.

Aufbau der physikalischen Adresse

Der Aufbau der physikalischen Adresse verwendet die Notation "B.L.T" (Bereich, Linie, Teilnehmer), über die unmittelbar der Bereich, die Linie und der Teilnehmer identifiziert werden kann. Die Adresssegmente sind mit Punkten voneinander getrennt. Die physikalische Adresse 2.4.43 bedeutet folglich, dass im Bereich 2, Linie 4 der Teilnehmer 43 gemeint ist. Adressen mit Nullen in den Adresssegmenten für Bereich und Linie sind für Teilnehmer auf der Bereichs- bzw. Hauptlinie reserviert.

Abb. 6.01: Prinzip der Adressvergabe
Abb. 6.01: Prinzip der Adressvergabe
Tab. 6.01: Adressbereiche der physikalischen Adresse
Tab. 6.01: Adressbereiche der physikalischen Adresse

6.1.2. Gruppenadressen

Mit der physikalischen Adresse können nun zwar alle Teilnehmer direkt angesprochen werden, was aber noch fehlt, ist die logische Verknüpfung. Erst die Verknüpfung zwischen Sensor, Aktor und Aktion (= "Objekt") ermöglicht die Einrichtung von Funktionen.
Zur Einrichtung der Funktionen werden in der Management-Software sog. Gruppenadressen angelegt und den physikalischen Adressen zugeordnet. Hierzu wird quasi ein virtuelles Abbild aller Elemente und Funktionen innerhalb einer KNX-Installation angelegt. Die Beschreibung der einzelnen Funktionen erfolgt durch hierarchisch angelegte Funktionsgruppen, die in der Managementsoftware  in einer Verzeichnisstruktur angezeigt wird.

Der KNX-Standard unterscheidet bei den Gruppenadressen zwischen 2-Ebenenstruktur mit den Ebenen "Hauptgruppen" und "Untergruppen"  und der 3-Ebenenstruktur mit den Ebenen "Hauptgruppen", "Mittelgruppen" und Untergruppen".

Die obersten Gruppen, die Hauptgruppen, könnten z.B. "Heizung, Klima, Lüftung", "Beleuchtung" und "Jalousien" sein. Unterhalb der Hauptgruppen sind optional (bei der 3-Ebenenstruktur) die Mittelgruppen angesiedelt. Typische Mittelgruppen sind z.B. "Keller", "Erdgeschoß", "Obergeschoß" oder "Außenbereich Garten".
Sind die Haupt- Mittelgruppen angelegt, können die Untergruppen als Funktionsbeschreibungen vergeben werden. Mögliche Untergruppen wären beispielsweise "Solltemperatur Arbeitszimmer", "Status Heizung Wohnzimmer" oder "Esszimmer Deckenleuchte Ein/Aus".
Die Schachteltiefe der Gruppen ist begrenzt. In der 2-Ebenenstruktur sind jeweils 2048 Untergruppen in 16 Hauptgruppen zulässig, während bei der 3-Ebenenstruktur bis zu 16 Hauptgruppen angelegt werden dürfen, in denen sich jeweils 8 Mittelgruppen befinden. Jeder Mittelgruppe dürfen bis zu 256 Untergruppen zugeordnet sein. Für beide Ebenenstrukturen ergeben sich also über 32.000 Gruppenadressen.

Abb. 6.02: Gruppenadressen einer Installation als Verzeichnisstruktur (3-Ebenenstruktur) wie sie in einer Managementsoftware erscheinen
Abb. 6.02: Gruppenadressen einer Installation als Verzeichnisstruktur (3-Ebenenstruktur) wie sie in einer Managementsoftware erscheinen

Als Separatoren für die Segmente einer Gruppenadresse wird "/" (Slash Forward) eingesetzt. Mit dieser Notation würde z.B. die Gruppenadresse 1/2/12 auf der Basis der Abb. 6.02 die Ist-Temperatur des im Obergeschoss gelegenen Gästezimmers anzeigen.

6.2. (Kommunikations-) Objekte als Informationsträger

Jeder Busteilnehmer verfügt für jede seiner Funktionen in seinem Arbeitsspeicher (RAM des Ankoppelkontrollers) über einen Speicherplatz (Register), der den logischen Zustand der jeweiligen Funktion wiederspiegelt. Diese Zustandsinformation wird als Objekt oder Kommunikationsobjekt bezeichnet.

Objekte im Sensor

Wird beispielsweise in einem Tastensensor eine Wipptaste betätigt, wird ein bestimmter Schalter geschlossen. Die Anwendungssoftware, die permanent den Zustand aller Sensoren (hier Schalter) des Anwendungsmodul überwacht, erkennt dieses und setzt die binäre Information in dem dem Sensor zugeordneten Speicherplatz auf "Ein". Der Zustand der Speicherplätze/Objekte im Ankoppelkontroller wird von der Systemsoftware zyklisch in kurzen Abständen ausgelesen und als Nutzinformation, kodiert mit der zuvor zugewiesenen Gruppenadresse, in den Bus gesendet.

Objekte im Aktor

Die Systemsoftware eines als Aktor wirkenden Busteilnehmers filtert aus dem permanenten Strom von Telegrammen diejenigen heraus, die eine der Gruppenadressen als Zieladresse enthält, die dem Busteilnehmer bei seiner Konfiguration zugewiesen wurden. Wurde ein Telegramm mit einer gültigen Gruppenadresse empfangen, wird die Nutzinformation extrahiert, das Objekt dekodiert und die enthaltene Information in die zur Gruppenadresse gehörenden Speicherstelle des RAMs geschrieben. Die Anwendungssoftware des Ankoppelkontrollers fragt zyklisch die Speicherplätze/Objekte ab, interpretiert sie und löst auf dem Anwendungsmodul die entsprechende Funktion aus. Im Falle, dass z.B. vom Sensor die Funktion "Deckenbeleuchtung Wohnzimmer Ein" gesendet wurde, wird der entsprechende Binärausgang (= Relais) im Aktor eingeschaltet.

Abb. 6.03: Lichtsteuerung mittels Gruppenadressen
Abb. 6.03: Lichtsteuerung mittels Gruppenadressen

Als Beispiel für die Verknüpfung der Gruppenadressen mit Kommunikationsobjekten soll nochmals das Büro aus dem Kapitel 2 dienen. Hier aber um einen Raum erweitert.
Alle KNX-Komponenten dieser Linie wurden über die Management-Software in die Hauptgruppe 4, welche die Beleuchtung ist, eingeordnet. Die KNX-Komponenten im Raum 1 haben die Mittelgruppe 1, die im Raum 2 die Mittelgruppe 2. Die übergeordneten Sensoren "Zeitschaltuhr" und "Lichtsensor" befinden sich in der Mittelgruppe 0.
Als Sensoren stehen in den Räumen 4-fach-Tastschalter zur Verfügung, deren Schalter als Untergruppen 1 - 4 gekennzeichnet sind. Die übergeordneten Sensoren tragen die Untergruppen 1 bzw. 2.
Der Sensor im Raum 1 hat somit die vier Gruppenadressen 4/1/1, 4/1/2, 4/1/3 und 4/1/4. Jede von diesen vier Gruppenadressen kann zwei logische Zustände haben: Ein- oder Aus. Die entsprechenden Kommunikationsobjekte sind "1" für Eingeschaltet und "0" für Ausgeschaltet.
Um jetzt die Aktoren für die vier Lichtstränge im Raum 1 betätigen zu können, müssen die Aktoren mit den Sensoren verknüpft werden. Hierzu wird den einzelnen Aktoren die gleichen Gruppenadressen zugewiesen wie den steuernden Tastschaltern (z.B. Schalter 4/1/1 betätigt Aktor 4/1/1).

Gruppenadressen werden immer mindestens paarweise vergeben!

Um die Funktionen der übergeordneten Sensoren nutzen zu können, werden deren Gruppenadressen ebenfalls den Aktoren zugewiesen, die die gewünschten Sonderfunktionen ausführen sollen. So soll z.B. der Lichtsensor nur die Lichtstränge 1 und 3 ausschalten können. Daher ist seine Gruppenadresse nur bei den Aktoren 1 und 3 eingetragen.

Um nun z.B. Lichtstrang 2 im Raum 2 einzuschalten wird Schalter 4/2/2 geschlossen. Der Busankoppler des Tastsensors sendet daraufhin ein Telegramm mit dem Kommunikationsobjekt "1" an die Gruppenadresse 4/2/2.
Spätestens nach Büroschluss um 20:00 Uhr wird das Licht ausgeschaltet, weil die Zeitschaltuhr ein Telegramm mit der Zieladresse 4/0/2 und dem Kommunikationsobjekt "0" aussendet. Diese Gruppenadresse ist bei allen Aktoren in den Räumen 1 und 2 eingetragen. Hier wird das Licht ausgeschaltet. Andere Räume, in denen Schichtarbeit geleistet wird, sind davon allerdings nicht betroffen.

6.3. Telegramme

6.3.1. Buszugriffsverfahren

Wie bereits in den Kapiteln zuvor beschrieben, erfolgt die Kommunikation in einem KNX-Netz dezentral. Es gibt keine übergeordnete Zentrale (sog. Arbiter), die den Zugriff der Teilnehmer auf den Bus regelt. Alle KNX-Busteilnehmer können bei Bedarf jederzeit Datentelegramme senden. Um die Kollision von Datenübertragungen zu vermeiden wird bei KNX, wie bei vielen anderen Kommunikationsverfahren, die ein sog. Shared Medium (geteiltes Übertragungsmedium) verwenden, eine Zugriffssteuerung mit dem CSMA/CA (Carrier Sense Multiple Access with Collision Avoidance) -Protokoll eingesetzt. Bei diesem Verfahren horcht ein Sender vor einer anstehenden Sendung für eine vorgegeben Zeit in den Datenbus um festzustellen, ob der Bus frei ist. Bei freiem Bus überträgt der Sender das Telegramm bitweise. Nach jedem gesendeten Bit horcht der Sender wieder in den Bus und sendet das nächste Bit nur dann wenn der Bus frei ist. Stellt der Sender eine Kollision fest, beendet er die Übertragung des Telegramms sofort, wartet eine gewisse Zeit und beginnt von Neuem mit der Übertragung.

Abb. 6.04: Ablauf einer Datenübertragung
Abb. 6.04: Ablauf einer Datenübertragung

Die Datenübertragung in einem KNX-Bus erfolgt gesichert, d.h. dass ein Sender vom Empfänger eines gesendeten Telegramms eine Empfangsbestätigung (engl.: acknowledge = ACK) erwartet. Die Antwort des Empfängers enthält die Information, ob das Telegramm korrekt übermittelt wurde. Falls anhand von Prüfzahlen festgestellt wurde, dass ein Telegramm fehlerhaft übermittelt wurde (NAK = no acknowledge), wird es noch einmal gesendet.
Erhält der Sender innerhalb von 1,35 ms kein ACK auf ein Telegramm wiederholt er die Sendung bis zu dreimal. Hat er dann immer noch kein ACK erhalten, stoppt er die Übertragung und gibt eine Fehlermeldung aus.

6.3.2. Der Aufbau von Telegrammen

KNX verwendet bei der Datenübertragung das Prinzips der seriellen Datenübertragung. Das bedeutet, dass die Bits der zu übertragenen Bytes nacheinander über die Verbindungsleitung übertragen werden. Bei KNX erfolgt dieses wortweise. Jedes Datenwort, Symbol genannt, besteht aus 13 Bits. Davon sind allerdings nur acht Bits Datenbits (= Nutzdaten) die ein Zeichen darstellen. Dem folgt ein Paritätsbit (Parity Bit) zur Fehlererkennung.
Bei KNX erfolgt die Datenübertragung asynchron, d.h. es wird kein separates Taktsignal, das die einzelnen Bits markiert und den Empfänger mit dem Sender synchronisiert, mit übertragen. Der Empfänger muss also aus dem Datenfluss das Taktsignal zurückgewinnen. Pegeländerungen (= Flanken) werden durch Abtasten ("samplen") des empfangenen Signals mit einem Vielfachen der Datenrate erkannt. Die Synchronisation des Empfängers wird dann mit markierenden Pegeln im Datenstrom, den sogenannten Start- und Stopp-Bits, vorgenommen.

Abb. 6.05: Aufbau eines Symbols
Abb. 6.05: Aufbau eines Symbols

Die Datenübertragungsrate im KNX-Netz beträgt 9600 Bit/s. Die Übertragung eines Symbols dauert somit 1,35 ms, die Übertragung eines Telegramms, je nach Länge der Nutzdaten, 20 bis 40 ms.

Ein KNX-Telegramm kann abhängig von der Länge der zu übertragenen Nutzdaten aus bis zu 23 Byte bestehen. Das Telegramm ist in mehrere unterschiedlich lange Datenfelder unterteilt.

Abb. 6.06: Aufbau eines KNX-Telegramms
Abb. 6.06: Aufbau eines KNX-Telegramms
Kontrollfeld (Byte 0)

Das Kontrollfeld enthält eine Priorisierungsinformation und die Wiederholungskennung.
Wird ein Anwendungsprogramm von der Management-Software in den Speicher des Busankopplers übertragen, erhält dieser Datenstrom eine Priorisierung vor anderen Daten, da die Übertragung möglichst zügig und ohne Unterbrechung durchgeführt werden soll. Auch Telegramme von Alarmsensoren oder wichtigen übergeordneten Sensoren werden bevorzugt in einem KNX-Netz übertragen.
Die Wiederholungskennung wird mitübertragen, wenn ein Telegramm nicht korrekt mit einem ACK beantwortet wurde und nochmals gesendet wird. Der Empfänger wird in dem Fall, dass er den Steuerbefehl bereits mit dem ersten Telegramm korrekt ausgeführt hat, nicht nochmals ausführen, sondern nur ein ACK senden.

Quelladresse (Bytes 1 und 2)

Die Quelladresse ist die physikalische Adresse eines sendenden Busteilnehmers. Die physikalische Adresse ist eindeutig und enthält Informationen über den Standort (Bereich  und Linie) des Senders im Netz. Im Fehlerfall kann so leichter ermittelt werden, welcher Teilnehmer die Probleme eventuell verursacht.

Zieladresse(Bytes 3 und 4)

Im normalen Betrieb ist die Zieladresse eines Telegramms die Gruppenadresse einer Funktion. Diese Funktion kann sich bei einem einzelnen Empfänger oder einer ganzen Gruppe von Empfängern befinden.
Wird ein Busteilnehmer konfiguriert oder wird ein Anwendungsprogramm übertragen, ist die Zieladresse die physikalische Adresse des Teilnehmers.



Länge (Byte 5)

Das Längenfeld enthält drei Informationen:

  • Mit einem Bit wird gekennzeichnet ob die übertragene Zieladresse eine physikalische Adresse oder eine Gruppenadresse ist.
  • Drei Bits bilden einen Routingzähler. Der Routingzähler bestimmt über wieviele Koppler ein Telegramm übertragen werden darf. Jeder Durchgang durch einen Koppler dekrementiert den Routingzähler um Eins. Ist der Stand des Routingzählers bei Null angekommen, wird es vom Koppler verworfen, da das Telegramm anscheinend nicht zugestellt werden kann (z.B. weil die Zieladresse fehlerhaft ist).
  • Vier Bytes geben die Länge der übertragenen Nutzinformation in Bytes (0-15) an.
Nutzdaten (Bytes 6 bis 21)

Im Nutzdatenfeld werden Kommunikationsobjekte (Schalt- und Steuerbefehle, Messwerte, Meldungen, Programmcode bei der Übertragung eines Anwendungsprogramms usw.) übertragen.


Sicherung (letztes Byte)

Das Sicherungsfeld enthält eine Prüfsumme über die Paritätsbits, die mit jedem Symbol des Telegramms übertragen wurden. Der Empfänger kann durch eine Neuberechnung der Prüfsumme feststellen, ob eine Verfälschung der Daten durch Übertragungsfehler aufgetreten ist.

7. Logische Steuerung und Konfiguration

Eine zentrale Funktion bei der Installation und der Unterhaltung einer KNX-Installation nimmt die Management-Software ein. Mit der Management-Software lässt sich die komplette Installation visualisieren und einfach einrichten. Über sie lassen sich die physikalischen Adressen zuweisen und aus den Produktdatenbanken der Hersteller die Anwendungsprogramme herunterladen und in die Busankoppler übertragen. Sind die Komponenten vorbereitet, können sie über die Management-Software mit ihren Parametern und den Gruppenadressen konfiguriert werden. Da die Software mit allen Komponenten direkt kommunizieren kann, erkennt sie deren Status und kann im Servicefall wichtige Informationen über die Installation liefern.

Die bei KNX zu verwendende Management-Software ETS (Engineering Tool Software) ist in höchstem Maße proprietär. KNX-Installationen lassen sich ausschließlich über ETS programmieren. ETS läuft nur unter Microsoft Windows. Die Software kann auf der Website der KNX-Associaton heruntergeladen werden. Von der z.Zt. (Dezember 2012) aktuellen Version 4 werden drei Varianten angeboten:

ETS4 Demo
ETS4 Lite
ETS4 Professional
  kostenlose Testversion zum Probieren; sehr kleine Test- Projekte
kleine bis mittlere Projekte
alle Projektgrößen; voller Funktionsumfang
Abb. 7.01: Screenshot der Management-Software ETS 4 (Vergabe einer physikalischen Adresse)
Abb. 7.01: Screenshot der Management-Software ETS 4 (Vergabe einer physikalischen Adresse)

8. Eine KNX-Installation in der Praxis

Die folgenden Fotos zeigen eine KNX-Elektroanlage, die im Rahmen einer Komplettsanierung in einem Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung installiert wurde.

Abb. 8.01:
Im Technikraum laufen alle Kabel für die Elektro-, KNX- und Ethernet-Installationen zusammen. Eine eindeutige Kennzeichnung ist Pflicht.

Abb. 8.02:
Die einzig sinnvolle Installationsform für ein 230 V-Netz mit KNX-Steuerung ist die Sternform. Das bedeutet natürlich eine Unmenge an einzelnen Leitungen. Die grauen Leitungen führen die geschalteten Phasen zu den Verbrauchern. Der Nullleiter (blaue Leitungen) wird für jeden Raum separat verlegt.

Abb. 8.03:
In einem großzügig bemessenen Schaltschrank findet die komplette Hausverteilung Platz. Im oberen Teil befinden sich die Verteilerklemmen und Sicherungsautomaten.
Die untere Hälfte ist für KNX reserviert. Hier sind die KNX-Spannungsversorgungen, Linienkoppler, ein großer Teil der Beleuchtungsaktoren und die Aktoren der Jalousien als Reihenelement auf einer Hutschiene eingebaut.

Abb. 8.04:
KNX-Komponenten im Schaltschrank

Abb. 8.05:
Aktoren und Stellmotoren für die Ventile der Fußbodenheizung

Abb. 8.06
Die Wetterstation über dem Dach verfügt neben dem Windmesser auch einen DCF77-Empfänger. Damit werden alle Uhren in der KNX-Installation synchronisiert.

Abb. 8.07:
Bei Starkwind fahren die Jalousien automatisch hoch.

 

 

REFERENZEN

Abbildungen

[1] Produktfotos Busch-Jaeger Bilddatenbank (abgerufen im Dezember 2012)

 

Weblinks

1. knx.org: KNX Grundlagen (abgerufen im Dezember 2012),  KNX-Busteilnehmer (abgerufen im Dezember 2012)

 

Literatur

Robert Beiter: Installationsbus EIB/KNX Twisted Pair (ISBN 3-8101-0185-0)
Frank Völkel: Smart Home mit KNX (ISBN 978-3-7723-4387-2)
Erwin Richter: Smart Home-So wird's gemacht (ISBN 3-8101-0236-9)

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