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UHD-TV

ULTRA HIGH DEFINITION TELEVISION

  

Inhaltsverzeichnis

1. TV - gestern, heute, morgen

Es ist noch nicht lange her, dass der Traum vom flachen Fernseher an der Wand Realität geworden ist und mit Full HD eine bislang ungeahnte TV-Bildqualität in unsere Wohnzimmer gekommen ist. Vergleicht man das Seherlebnis von heute mit dem aus den Zeiten der Bildröhre, erscheint uns die Entwicklung als revolutionär. Wenn man aber ehrlich ist, zeigt HDTV (High Definition-TV) zumeist lediglich das, was schon vorhanden war, auf einem etwas größeren Bildschirm. Betrachtet man auch noch die Sehgewohnheiten, stellt man fest, hat sich kaum etwas geändert. Die Bildschirmgröße ist vielleicht von 32'' beim Röhren-TV auf 42'' beim neuen LCD-TV gestiegen, der Betrachtungsabstand zum Bildschirm ist aber mit durchschnittlich 2,7 m (= 9ft. →  Lechner-Abstand) gleichgeblieben. Der Betrachtungswinkel auf den Bildschirm, der in hohem Maße für das Seherlebnis wichtig ist, ist somit ebenfalls nahezu gleich geblieben. Die Verbesserungen in der TV-Technik der letzten Jahre kann man daher wohl eher als Evolution bezeichnen.

Die nächste Generation der TV-Technik soll jedoch revolutionär werden. Die Entwickler haben sich vorgenommen, dass der Zuschauer in das Geschehen praktisch eintaucht ("immersive TV"). Damit dieses hochgesteckte Ziel erreicht werden kann und der Konsument die neue Technik akzeptiert, sind viele Voraussetzungen zu erfüllen und technische Herausforderungen zu meistern. Auch die Sehgewohnheiten (und vielleicht auch der Wohnungsgrundriss) des Konsumenten werden sich mit Sicherheit an die neuen Sinnesreize anpassen und gewöhnen müssen.

Abb. 1.01: Vergleich der Bildinformation zwischen HDTV und UHD
Abb. 1.01: Vergleich der Bildinformation zwischen HDTV und UHD

1.1 Wie wir Bilder sehen

Die visuelle Wahrnehmung unserer Umwelt ist direkt mit dem Aufbau unseres Sehapparates verknüpft. Der empfindlichste Teil der Netzhaut des Auges, der sogenannte Gelbe Fleck (Makula) befindet sich exakt auf der Sehachse. Er ist in drei Bereiche aufgeteilt.

Abb. 1.02: Sakkadische Bewegungen des Auges beim Betrachten der Umwelt. Die Linien folgen der Augenbewegung. An den Punkten stoppt die Augenbewegung und ein Detail der Umwelt wird bewusst wahrgenommen.
Abb. 1.02: Sakkadische Bewegungen des Auges beim Betrachten der Umwelt.
Die Linien folgen der Augenbewegung. An den Punkten stoppt die Augenbewegung und ein Detail der Umwelt wird bewusst wahrgenommen.

In der Mitte des Gelben Flecks befindet sich eine trichterförmige Vertiefung, die Fovea centralis. Diese etwa 1,5 mm im Durchmesser große Stelle hat die feinste räumliche Auflösung und somit die höchste Sehschärfe. Der Erfassungswinkel beträgt ca. 3° längs der Sehachse. Mit diesem Bereich unseres Sehfeldes nehmen wir Gesehenes bewusst wahr.  Mit dem fovealen Sehen lesen wir, fahren Auto und erfassen Gesichter. Wie mit einem Teleskop "tasten" wir dabei mit kleinen ruckartigen ("sakkadischen") Bewegungen unserer Augen unsere Umwelt ab.
Der die Fovea centralis umgebene schmale Ring der Parafovea und die Randzone, Perifovea genannt, lassen uns in einem Winkel von etwa 18° optische Reize erkennen und verarbeiten (makulare Sicht) ohne dass wir den Kopf bewegen.
Lichtreize, die nicht auf den Gelben Punkt fallen, werden als Peripheres Sehen bezeichnet. Dieser Wahrnehmungsbereich kann zu jeder Seite horizontal über 100° betragen.

Diese Physiologie des menschlichen Sehens ist maßgeblich daran beteiligt, wie wir Fernsehen wahrnehmen. Ein kleiner Bildschirm und/oder hoher Betrachtungsabstand kann ein wahres "Eintauchen" (Immersion) in das Programm nicht bewirken, weil das Auge nur einen kleinen Bereich und ausschließlich mit der fovealen Sicht erfassen kann. Nach den Untersuchungen der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK ist für ein Eintauchen aber die Beteiligung des nahen peripheren Sichtbereiches von zumindest +/- 30° notwendig.

Abb. 1.03: Betrachtungswinkel bei verschiedenen Bildgrößen (Quelle NHK)
1.03: Betrachtungswinkel bei verschiedenen Bildgrößen (Quelle NHK)
Tabelle 1: Optimale Betrachtungswinkel und -abstände nach NHK (H = Bildhöhe)
Tabelle 1: Optimale Betrachtungswinkel und -abstände nach NHK
(H = Bildhöhe)

Das NHK führte viele physiologische Tests mit vielen Personen durch und wertete die gewonnenen Daten statistisch aus. Ein Teilergebnis zeigt Tabelle 1.

Bezüglich des immersiven TV-Erlebnisses lässt sich das grundlegende Ergebnis in wenigen Zeilen zusammenfassen. Um ein immersives Fernsehen zu realisieren benötigt es:

  • Mehr Pixel
    Mehr Pixel, die mehr räumliche Information übertragen (siehe Animation Abb. 1.01) und mehr Pixel auf zeitlicher Ebene, d.h. höhere Bildwechselraten (100/120 Hz), die Bewegungsunschärfe verringern sollen (HFR = High Frame Rate).
  • Bessere Pixel
    Der Farbumfang (Gamut) des heutigen Fernsehens deckt nur einen Bruchteil (nur 16,7 Mio. Farben!) dessen ab, was ein Mensch an Farben wahrnehmen kann. Die Standards für das neue Fernsehen müssen daher einen größeren Farbumfang definieren. Neue Display-Techniken (OLED-, Quantenpunkt-Displays) müssen in der Praxis (d.h. für den Konsumenten erschwinglich) verfügbar sein, um die Standards zu erfüllen.
    Das heutige Fernsehen kann nur einen Bruchteil der Kontrastunterschiede (Luminanzdynamik) darstellen, die ein Mensch wahrnehmen kann. Es werden Displays benötigt, die eine Luminanz von weit über den heute üblichen 100 bis 300 cd/m2 (oder Nits*) und einen niedrigeren Schwarzwert (< 0,01 Nits) darstellen können. Dieses wird als HDR (High Dynamic Range) bezeichnet.
  • Kleinere Pixel
    Um eine Immersion zu erzielen, sind Betrachtungswinkel von über 60° erforderlich. Der Zuschauer muss folglich an den Bildschirm herangeholt werden. Für einen 50'' UHD-1-Bildschirm (was so ziemlich die untere Grenze für UHD darstellt) mit einer Bildbreite von ca. 108 cm und einer Bildhöhe von 60 cm ist laut Tabelle Tab. 1 ein Betrachtungsabstand von nur 90 cm optimal! Für kleinere Bildschirme erscheinen daher gebogene Bildschirme (curved screens) durchaus sinnvoll.
  • Zu einem immersiven Bild gehört ein immersiver Ton. Gefordert sind:
    - eine eindeutige Lokalisierung des Tons über die Fläche des Bildschirms
    - Reproduktion des Klangbildes in allen Richtungen um den Zuschauer herum
    - räumlicher Eindruck von diffusen Klangfeldern
    - ein weiter Hörbereich mit dem Eindruck hoher Präsenz
  • Schon bei der Produktion von Inhalten für UHD muss beim Bildaufbau und bei der Bildgestaltung auf eine immersive Wirkung geachtet werden.

Die hier aufgezählten Parameter definieren lediglich die "Schnittstelle" zur Wahrnehmung durch den Konsumenten. Die Parameter, die es am Anfang (Produktion und Post-Produktion) und innerhalb der Übertragungskette zu erfüllen gibt, sollen an dieser Stelle noch unerwähnt bleiben.

 

2. Ursprung und Entwicklung

Ultra hochauflösendes Fernsehen (auch Super High Vision, Ultra HD Television, Ultra HD, UHDTV, UHD, Quad-HD, 4K-TV oder einfach 4K genannt) sind mehrere hochauflösende, digitale Videoformate, die von der japanischen Rundfunkgesellschaft NHK vorgeschlagen und von der Society of Motion Picture & Television Engineers (SMPTE) als Standard (ST 2036-1) akzeptiert wurden. Zusammen mit den Empfehlungen der ITU-R (International Telecommunication Union Radiocomminication Sector) konnte eine kommerziell tragbare Basis für die Einführung von TV-Formate jenseits von HD geschaffen werden, die offiziell als Ultra High Definition Television (UHDTV) bezeichnet wird. Einige Hersteller von CE verwenden jedoch weiterhin die alten Bezeichnungen (Sony z.B. "4K") oder sogar selbst geschaffene Namen, was beim Endverbraucher für Verwirrung sorgt.

Abb. 1.01: Vergleich 8K UHD-, 4K UHD-, HD- und SD-Auflösung
Abb. 1.01: Vergleich 8K UHD-, 4K UHD-, HD- und SD-Auflösung

1995 begannen Forscher des NHK die nächste Generation von TV-Übertragungsverfahren zu entwickeln. Ab 2003 demonstrieren sie bei verschiedenen Messen und Kongressen von ihnen entwickelte Prototypen von ultrahochauflösenden Kameras und Displays.
Die erste Standardisierung von UHDTV erfolgt 2007 durch die SMPTE (Society of Motion Picture and Television Engineers). Diese legt auch die nun gültigen physischen Auslösungen von UHDTV1 (3840 × 2160 Pixel oder 4K UHDTV) und UHDTV2 (7680 x 4320 Pixel oder 8K UHDTV) für die Consumer-Elektronik fest.
2011 zeigt Sharp den ersten LCD-TV (85'' Diagonale) mit einer Auflösung von 7680 x 4320 Pixel und einer Farbtiefe von 10 Bit pro Komponente.
Während der Sommer-Olympiade 2012 in Großbritannien wird das neue Format von der BBC bei Public Viewing-Veranstaltungen in mehreren Städten auf 15 Meter breiten Leinwänden der Öffentlichkeit vorgestellt.
Im August 2012 werden beide UHD-Formate endgültig von der ITU im Standard BT.2020 spezifiziert. Gleichzeitig kommen die ersten UHD-TV-Geräte und Kameras für den Konsumenten auf den Markt.
Im Juni/Juli 2014 werden während der FIFA Fußballweltmeisterschaft Live-Streams von 16 UHD-Kameras per Satellit interkontinental übertragen.
Zur IFA 2014 startet Astra einen neuen, in HEVC (High Efficiency Video Coding) kodierten, UHD-Demokanal auf 19,2° Ost.
Seit September 2014 bietet der Onlinedienst Netflix Streaming von Filmen in UHD an. Voraussetzung ist eine empfängerseitige Internetanbindung von mindesten 25 MBit/s, ein kompatibles Empfangsgerät (Smart-TV oder Blu ray-Player mit kompatiblen Netflix-Codec) und ein kostenpflichtiges Abonnement.
Im November 2014 wird ein Konzert der Band Linkin Park in Berlin live öffentlich in UHD-1 über Astra abgestrahlt.
Im Mai 2015 gibt die Blu-ray Association die Spezifikationen für die Ultra HD Blu-ray Disc bekannt.
Im Juni 2015 überträgt der Pay-TV-Sender Sky das Finale der UEFA-Champions-League in Berlin. Im Stadion kommen 11 UHD-Kameras von Sony zum Einsatz. Das Programm wird mit 35MBit/s per Internet in ausgewählte Gaststätten gestreamt.

3. UHD-Varianten

UHD baut auf den Standard BT.2020 der ITU-R auf. Diese beschreibt die UHD-Bild- und Audioformate zur Übertragung und Verbreitung von UHD-Signalen. BT.2020 ist ein internationaler Standard, der einen weltweiten Austausch von Informationen ermöglicht. Nicht beschrieben werden Kompressions- oder Kodierverfahren oder Schnittstellen, die von Standards anderer Organisationen geregelt werden. Nur eine exakte Synchronisation der standardgebenden Organisationen kann eine Zersplitterung der Standards vermeiden und eine Interoperabilität gewährleisten.

Abb. 3.01: Am UHD-Standard beteiligte Organisationen
Abb. 3.01: Am UHD-Standard beteiligte Organisationen

BT.2020 ist sehr zukunftsorientiert und soll mindestens für die nächsten 20 Jahre anwendbar bleiben. Daher sind schon sehr viele Parameter sehr großzügig angelegt und können von der heutigen Technik bei Weitem nicht für die Consumer-Elektronik realisiert werden.

Für UHD-TV, also öffentlich abgestrahlte/verteilte oder auf Datenträger aufgezeichnete Multimediainhalte definiert der Standard BT.2020 zwei physische Bildauflösungen.

3.1 UHD-1

UHD-1 (oft auch 4K genannt) bietet mit 3.840 x 2.160 Pixel (= 8,3 Megapixel, was das Vierfache von HDTV ist!) die "Einstiegsklasse" zum ultrahochauflösenden Fernsehen.

Eine weitere bekannte 4K-Auflösung ist 4096 x 2160 Pixels mit einem Seitenverhältnis von 1,9 : 1. Diese Auflösung gehört jedoch zu einem Standard der Digital Cinema Initiatives (DCI) und wird von der Filmindustrie verwendet. Dieser Standard ist nur für Projektionsgeräte bestimmt und sollte nicht mit UHD-1 verwechselt werden!

Tab. 1: UHD-1 Nettodatenraten (nur Video!)
Tab. 1: UHD-1 Nettodatenraten (nur Video!)

Da noch in keinem Land eine großflächige UHD-taugliche Infrastruktur vorhanden ist, werden die hohen Datenübertragungsraten, die selbst in der "Einstiegsklasse" für UHD benötigt werden, zu einem Flaschenhals bei der Systemeinführung. Um den Einstieg für die CE-Industrie und die Verbraucher so einfach wie möglich zu gestalten, wurde daher die Einführung in zwei Phasen gegliedert.

UHD-1 Phase 1

In der UHD-1 Phase 1 wird der Standard BT.2020 noch nicht in vollem Umfang angewendet, da zu erwarten ist, dass in den TV-Geräten der ersten Generationen noch keine UHD-fähigen Tuner eingebaut sind. Als UHD-Quellen kommen daher nur Set-Top-Boxen (Satelliten- oder Kabelreceiver) oder Ultra HD Blu-ray Player (Einführung Ende 2015)  in Betracht. Diese benötigen zur Ansteuerung des Displays eine digitale Schnittstelle über die unkomprimiertes (aber verschlüsseltes) Videosignal übertragen werden kann.  Mit HDMI-2 stehen auf der Consumer-Seite maximal 18 MBit/s (= Video plus Audio plus Overhead) pro Link zur Verfügung. Um Bandbreite einzusparen wird daher in der Phase 1 lediglich der 8/10-Bit-Farbraum des alten HDTV-Standards BT.706 verwendet. Als Übertragungsformat wurde 4:2:0 YCbCr-Komponentensignal gewählt. Als Bild(wiederhol)frequenzen sind  60p, 50p, 30p, 25p und 24p vorgesehen. Ausschließlich progressive Bildabtastung ist gestattet.

Als Audiosignal ist in der Phase 1 ein Surround Sound 5.1 vorgesehen.

In Tabelle 2 lässt sich erkennen, dass selbst in dieser "Lightversion" gerade einmal UHD-Signale mit 60 Hz Bildfrequenz über eine Single Link HDMI-2-Verbindung übertragen werden können.

Tabelle 2: UHD-1 - Sichtbares Bild, Austastzeiten und Datenraten
Tabelle 2: UHD-1 - Sichtbares Bild, Austastzeiten und Datenraten

UHD-1 Phase 2

Die Einführung von UHD-1 Phase 2 ist in Europa ab etwa 2017 vorgesehen. Zu den bereits in der Phase 1 definierten Bildfrequenzen kommen 100p und 120p zusätzlich hinzu. Auch bei diesen neuen Bildfrequenzen ist nur eine  progressive Bildabtastung gestattet. Der Farbraum wird jetzt, wie in der ursprünglichen Spezifikation vorgesehen, BT.2020. Um diesen stark erweiterten Farbraum darstellen zu können, muss die Farbtiefe auf 10-12 Bit pro Subpixel, bei einem Chroma-Subsampling von bis zu 4:2:2 bzw. 4:4:4, gesteigert werden.
Die Einführung von HDR (High Dynamic Range) und MPEG-H-Audio (3D-Audio) steht zurzeit (Mai 2015) noch nicht fest.

Achtung: Die UHD-1 Phase 2 darf nicht mit UHD-2 verwechselt werden!

3.2 UHD-2

Während man sich in Europa um die Einführung von UHD-1 bemüht, geht man in Japan bereits einen Schritt weiter. Anfang April 2014 gab die NHK auf der NAB 2014 in Las Vegas bekannt, dass aktuell geplant wird, die Olympischen Spiele 2020 in Tokio auch als UHD-2-Inhalte in 8K-Auflösung per Satellit zu übertragen. 8K-fähige TV-Geräte sollen dann auch für den Konsumentenmarkt zur Verfügung stehen. Auf der Show wurden bereits 8K-Kameras und  riesige 8K-Displays vorgeführt. Erste Testsendungen sollen ab 2016 durchgeführt werden.

UHD-2 oder Super Hi-Vision (SHV) hat eine physikalische Auflösung von 7680 x 4320 Pixeln. Hohe Bildwechselfrequenzen (100Hz (ist zurzeit noch in der Diskussion) und 120Hz) verhindern Ruckeln und Bewegungsunschärfen bei schnellen Bewegungen oder Schwenks. Audiosysteme mit bis zu 22.2 Kanälen sorgen für ein immersive Klangerlebnis:

  • 9 Lautsprecher von oben
  • 10 Lautsprecher auf Ohrhöhe
  • 3 Lautsprecher von unten
  • 2 Lautsprecher für Effekte im Tiefstton-Bereich
Abb. 4.04: 22.2 Multichannel Surround
Abb. 4.04: 22.2 Multichannel Surround
Tabelle 3: UHD-2 Nettodatenraten (nur Video)
Tabelle 3: UHD-2 Nettodatenraten (nur Video)

Nach Meinung der NHK ist mit UHD-2 die Grenze der Bildwiedergabe erreicht, da das menschliche Auge Auflösungen darüber hinaus nicht wahrnehmen kann (Quelle).

4. Technische Details

4.1 Übertragung von UHD-Signalen

4.1.1 Produktion und Post-Produktion

Die Übertragungskette von UHD-Signalen beginnt mit einer Kamera im Studio oder bei einer Liveübertragung. In der Produktion und Post-Produktion von UHD-Material wird hauptsächlich im RAW-Format, also mit unkomprimierten Video (und Audio) gearbeitet. Gegenüber der etablierten Full HD-Produktion mit ca. 0,83 GBit/s (bei 1080i/25 Hz/8 Bit/4:2:2/nur Video) fällt bei UHD (2160p/50Hz/10Bit/4:2:2/nur Video) mit 8,3 Gbit/s das Zehnfache an Daten an.

Abb. 4.05: Ein UHD-Rohsignal wird zurzeit noch in vier Quadranten getrennt übertragen und verarbeitet
Abb. 4.05: Ein UHD-Rohsignal wird zurzeit noch in vier Quadranten getrennt übertragen und verarbeitet

Ein HD-Rohsignal von einer Kamera im Fußballstadion lässt sich noch recht einfach über eine 3G-SDI -Glasfaserleitung in den Übertragungswagen (BOC = Broadcast Operation Center) verschicken. Für die Übertragung eines UHD-Signals müssen, mangels geeigneter Schnittstellen, zurzeit noch mindestens vier solcher Leitungen gebündelt eingesetzt werden. Jede einzelne Verbindung überträgt dabei die Daten eines von vier Quadranten des UHD-Bildes. Auch die weitere Bildverarbeitung wird derzeit noch in vier getrennten Kanälen vorgenommen.

4.1.2 Die Übertragung zum Konsumenten

Die vierfache Auflösung von UHD gegenüber HD birgt auch bei der Übertragung der Inhalte zum Konsumenten große technische Herausforderungen. Konnte der erhöhte Bandbreitenbedarf von HD durch die Digitale Dividende gedeckt werden, ist dieses für die Übertragung von UHD-Signalen auf Dauer wirtschaftlich nicht möglich. HD wurde in der Anfangszeit noch mit MPEG-2 kodiert übertragen bzw. auf Blu-ray Discs gespeichert. Aber ebenfalls aus wirtschaftlichen Gründen (= Einsparung von Bandbreite) erfolgte schon bald der Einsatz des wesentlich effizienteren MPEG-4 (H.264 AVC) Kompressionsverfahrens. Um dieselbe Problematik bei der Übertragung von UHD zu vermeiden, wurde eine Reihe von neuen Hochleistungskompressionsverfahren entwickelt. Streamingdienste wie Netflix und YouTube  setzen zumeist auf eigene, proprietäre Verfahren oder quelloffene Verfahren wie V9 von Google oder Daala.
Staatliche und private Broadcaster, die ihre Inhalte per Satellit oder Kabel verteilen, verwenden den neuen MPEG-Codec H.265/HEVC (High Efficiency Video Coding). H.265 / HEVC ist seit 2013 Standard. Seitdem wurden mehrere Erweiterungen implementiert, wie z.B. die Supplemental Enhancement Information (SEI), die für ein Color Remapping bei HDR (High Dynamic Range) benötigt wird.

Nach Aussagen einer der beiden Lizenzpool-Verwalter HEVC Advance sollen H.265 / HEVC-Encoder 67% effektiver (bei gleicher Bildqualität) bei der Komprimierung von UHD-Video als der H.264 AVC-Codec sein. Das H.265 / HEVC- Kodierverfahren ist höchst asymmetrisch. Der Encodiervorgang kann bis zu vierzig Mal länger dauern als die Decodierung beim Konsumenten.
Wie beim Vorgängerstandard H.264/MPEG-4 AVC haben auch auf H.265/HEVC zahlreiche Firmen Patente angemeldet. Eine Nutzung erfordert somit die Zahlung von Patentgebühren an die Lizenzpool-Verwalter.

4.1.3 Verbindungen zwischen UHD-Geräten

Die HDMI-2-Spezifikation erlaubt TMDS-Datenraten bis zu 18 GBit/s, was bestenfalls für eine Übertragung von UHD-1 mit 60Hz, 8 Bit Farbtiefe und 4:2:0 Chroma Subsampling erlaubt. Alles was über diese Parameter hinausgeht benötigt entweder einen Multilink, der aus mehreren HDMI-2-Kabeln besteht, oder, wenn vorhanden, andere Schnittstellen wie DisplayPort.

Tabelle 4 zeigt wieviele Verbindungen bei welchem Format benötigt werden.

Tabelle 4: Bandbreitenbedarf und Verbindungen
Tabelle 4: Bandbreitenbedarf und Verbindungen

4.2 UHD-Displays

Die in der ersten Phase nur eingeschränkt zur Verfügung stehende Übertragungsbandbreite ist nicht das einzige Hemmnis bei der Implementierung des vollständigen UHD-Standards. Ein weiterer dominanter Schwachpunkt sind die Displays selber. Kein Display der CE vermag zurzeit (Mai 2015) den vollen BT.2020-Farbumfang darzustellen. Allein professionelle Monitore sind hierzu in der Lage. Quantenpunkt-Displays ("Nano Spektrum-Technologie", "TRILUMINOS™ Display", ...) und OLED-Displays haben aber auch schon heute so weite Farbräume, dass zumindest ein Großteil des BT.2020-Gamuts abgedeckt werden kann. Wann und mit welcher Technik die Helligkeit von Consumer-Level Displays über die heute üblichen 350 Nits gebracht werden kann, ist noch nicht abzuschätzen.

Abb. 2.02: Die BT.2020 und BT.709-Farbräume im CIE1931-Farbraum
Abb. 2.02: Die BT.2020 und BT.709-Farbräume im CIE1931-Farbraum

 

 

 

REFERENZEN

Abbildungen

Alle Grafiken und Fotos wurden von InfoTip erstellt.

 

Weblinks

SMPTE: UHDTV Ecosystem Study Group Report 28.März 2014

Recommendation ITU-R BT.1769: Parameter values for an expanded hierarchy of LSDI image formats for production and international programme exchange

EBU - TECH 3299: High Definition (HD) Image Formats for Television Production (SMPTE 2274/ TabelleHDTV)

SMPTE: UHDTV ECOSYSTEM REFERENCE DIAGRAM 

Texas Instruments: SDI Video Bit Rate Calculation

Deutsche TV-Plattform: White Book - Beyond HD

Dietrich Westerkamp Wiesbadener Mediensymposium, 17.3.2015: UHDTV-Standards für zukünftiges immersives TV

Ericsson White paper: Understanding Ultra High Definition Television

tvtechnology.com: SMPTE-Doing-HDR-with-HEVC

BBC Academy: Beyond HD

 

Zuletzt geändert am 21.07.2015

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