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Fotokameras

Typen und Formate

Inhaltsverzeichnis

1. Meilensteine in der Foto-Technik

Seit es den Menschen gibt, versucht er mit Bildern, die er auf Höhlenwände, Knochen, Holz, Papyrus oder Leinwand malt, zeichnet oder ritzt, wichtige oder schöne Erinnerungen lebendig zu erhalten. Mit der kulturellen und technischen Entwicklung des Menschen wurden seine Bilder und Darstellungen immer differenzierter und dem Leben ähnlicher.

Abb. 1.01: Prinzip der Lochkamera (Camera Obscura)
Abb. 1.01: Prinzip der Lochkamera (Camera Obscura) [1]

Ende des 13. Jahrhunderts setzen Astronomen zum ersten Mal, wenn auch einfachste, technische Hilfsmittel ein. Zur Beobachtung von Sonnenflecken projizierten sie die Sonne auf die Mattscheibe einer Lochkamera (Camera Obscura). Diese erlaubte aber lediglich eine "Live"-Abbildung des Geschehenden. Ein permanentes Festhalten bzw. Speicherung, abgesehen vom Abzeichnen des Gesehenen, war noch nicht möglich.
Die Entwicklung von optischen Linsen für Fernrohre und Mikroskope im 16. Jahrhundert sind wichtige Etappen zur Fotografie.

Abb. 1.02: Das erste Foto der Welt (Joseph Nicéphore Niépce (1826–1827): Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras. 20×25 cm, ölbehandelter Asphalt)
Abb. 1.02: Das erste Foto der Welt (Joseph Nicéphore Niépce (1826–1827): Blick aus dem Arbeitszimmer in Le Gras. 20×25 cm, ölbehandelter Asphalt) [2]
Abb. 1.03: Daguerreotypie-Kamera
Abb. 1.03: Daguerreotypie-Kamera [3]

Die älteste bekannte Fotografie wird Joseph Nicéphore Nièpce zugeschrieben, der 1826 die fotografische Platte erfand. Diese war eine mit Asphalt beschichtete Zinnplatte, die über acht Stunden in einer Camera Obscura belichtet wurde. Die in dieser Zeit stärker belichteten Partien der Asphaltschicht härteten dabei aus, die weniger belichteten Teile der Schicht konnten im folgenden "Entwicklungsprozess" mit Lavendelöl und Petroleum [1] ausgewaschen werden.
Niépce arbeitete ab 1829 mit Louis Daguerre zusammen. Gemeinsam schufen sie die Daguerreotypie, dem ersten praktikablen Fotografie-Verfahren (1837) (Details zur verwendeten Fotoplatte).

Abb. 1.04: Daguerreotypie von Louis Daguerre (1838): Boulevard du Temple, Paris. Der Verkehr zu schnell um bei einer Belichtungszeit von über zehn Minuten abgebildet zu werden. Die Ausnahme ist der links unten bei einem Schuhputzer stehende Mann.
Abb. 1.04: Daguerreotypie von Louis Daguerre (1838): Boulevard du Temple, Paris. Der Verkehr ist zu schnell um bei einer Belichtungszeit von über zehn Minuten abgebildet zu werden. Die Ausnahme ist der links unten bei einem Schuhputzer stehende Mann. [4]

In den folgenden Jahren nach 1837 setzte eine kontinuierliche Weiterentwicklung sowohl bei den Kameras, als auch beim Fotomaterial ein. Mittels eines Objektivs konnte das aufzunehmende Objekt auf der Fotoplatte fokussiert werden. Durch die gegenüber der Lochkamera so stark vergrößerte Blendenöffnung gelangte mehr Licht auf die Platte, was in kürzere Belichtungszeiten resultierte.

Abb. 1.05: Lichtempfindliche Platten für Plattenkameras
Abb. 1.05: Lichtempfindliche Platten für Plattenkameras [5]

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts lösten Glasplatten die Metallplatten als Trägermaterial für die fotoempfindliche Schicht ab. Jetzt waren auch Negativbilder, die z.B. auf Albuminpapier vervielfältigt werden konnten, möglich.
Das Nassverfahren, bei dem die Fotoplatte unmittelbar vor der Belichtung vorbereitet und danach sofort entwickelt (notfalls in einem extra errichteten Dunkelkammerzelt) werden musste, wurde ab 1871 durch Trockenverfahren abgelöst. Trockenplatten waren wesentlich leichter zu handhaben, da sie vor Belichtung und Entwicklung lagerfähig waren. Da die Lichtempfindlichkeit der Platten immer weiter zunahm, wurde die nun im Sekundenbereich liegende Belichtungszeit von mechanischen Verschlüssen (ab 1869, Schlitzverschluss ab 1888) gesteuert.

Abb. 1.06: Platten- ("Reise-") Kameras aus handwerklicher und industrieller Fertigung
Abb. 1.06: Platten- ("Reise-") Kameras aus handwerklicher und industrieller Fertigung [6]

1.1 Industrielle Fertigung von Kameras und Fotomaterial

Abb. 1.07: Die Kodak Nr. 1
Abb. 1.07: Die Kodak Nr. 1 [7]

Bis 1888 wurden Fotoapparate in nur geringen Stückzahlen mit handwerklichen Techniken aus Holz gefertigt. Die Erstellung einer Fotografie war noch ein komplizierter Prozess, den nur professionelle Fotografen, Künstler und nur wenige Laien beherrschten. Erst der Rollfilm, 1894 von George Eastman patentiert, ermöglichte einen Massenmarkt. Ab 1888 bot Eastman eine passende Boxkamera an, die Kodak bzw. Kodak Nr. 1, die stark beworben, zu einem Massengut wurde.

Die Kodak Nr. 1 hatte ein 16,5×8,3×9,6 cm großes, mit Leder überzogenes, sucherloses Holzgehäuse mit einem fest eingebauten Objektiv (Brennweite 75 mm). Im Gegensatz zu den großen Plattenkameras, die ein Stativ benötigten, war diese neue Boxkamera leicht (900 Gramm), handlich und mobil.

Abb. 1.08: Filmpaket für Kodak Nr. 1
Abb. 1.08: Filmpaket für Kodak Nr. 1 [8]

Eastman's Rollfilm war ein Negativ-Papierfilm (ein sogenannter Stripping-Film) und wurde fest in die Kamera installiert. Zum Entwickeln des belichteten Films wurde der komplette Fotoapparat von einem Händler zum Eastman- (später Kodak-) Entwicklungsdienst eingeschickt. Für 10 $ erhielt man anschließend die Negative des Films, die Abzüge und die mit einem neuen Film versehene Kamera zurück (in Deutschland 9 Mark für einen Film + 27 Mark für Entwicklung).

Ein mit einer Kodak Nr. 1 gemachtes Foto
Abb. 1.09: Ein mit einer Kodak Nr. 1 gemachtes Foto: "Seated man reading a book" (1888) [8]

Der Film war 2 3/4 Zoll (6,98 cm) breit und konnte 100 Aufnahmen fassen. Die Positive wurden als runde Kontaktabzüge von ca. 2 1/2 Zoll (6,5 cm) Durchmesser gefertigt.

Ab 1889 konnten Kodak-Kameras mit Negativfilmen auf Zelluloid-Basis (auch "American Film" genannt) bestückt werden. Der Kodak Nr. 1 folgten mehrere Nachfolgemodelle und zunehmend auch konkurrierende Modelle anderer Hersteller.

Boxkameras waren bis 1970 im Handel. Besonders populär war dieser Kameratyp bis Mitte der 1950er Jahre.

1.2 Kleinbild-Kameras

Abb. 1.10: Typ 135 Kleinbildfilm
Abb. 1.10: Typ 135 Kleinbildfilm

Als Kleinbild-Kameras werden im Allgemeinen solche Kameras bezeichnet deren Filmformat zwischen 20 mm und 40 mm beträgt. Am weitesten verbreitet ist das Format 24 mm x 36 mm (auch 35 mm genannt) in der sogenannten Typ 135 Filmpatrone.
Schon 1913 beschäftigte sich Oskar Barnack, derzeit Entwicklungschef bei Leitz in Wetzlar, privat mit der Entwicklung einer kompakten Kamera, die er auf seinen Wanderungen in der Natur mitnehmen wollte. Barnack litt unter Asthma und konnte keine schwere Balgenkamera auf seine Fototouren mitnehmen.

Abb. 1.11: Maße eines 35 mm Kleinbildfilms
Abb. 1.11: Maße eines 35 mm Kleinbildfilms
Abb. 1.12: Die erste 35-mm-Kleinbildkamera: die Leica I
Abb. 1.12: Die erste 35-mm-Kleinbildkamera: die Leica I [11]

Als Filmmaterial verwendete er einen normalen beidseitig perforierten 35-mm-Kinofilm, der auf eine Rolle innerhalb einer lichtdichten Patrone gezogen wurde. So konnte der Film auch außerhalb einer Dunkelkammer ausgewechselt werden.
Bedingt durch den ersten Weltkrieg schaffte es Barnacks Kamera aber nicht in die Serienproduktion. Erst 1927 kam die Leica I als erste Kleinbildkamera mit 35-mm-Film in den Handel und wurde sofort ein Riesenerfolg.
Die Bezeichnung "Typ 135" wurde 1934 von Kodak für eine standardisierte Patronenform eingeführt.

1.3 Sucherkameras vs. Spiegelreflexkameras

Sucher- und Kompaktkameras

Die Leica, ihre Nachfolger und Konkurrenten gehören in die Kategorie der sogenannten Sucherkameras. Bei Sucherkameras dient das Objektiv nur dazu, den Film zu belichten. Die Wahl des Bildausschnitts erfolgt durch eine separate Optik oder Vorrichtung (z.B. Rahmen).

Abb. 1.13: Typische Sucherkameras: Links Adox (1959-1964), rechts: Rollei 35 S (ab 1966 30 Jahre lang produziert)
Abb. 1.13: Typische Sucherkameras: Links Adox (1959-1964), rechts: Rollei 35 S (ab 1966 30 Jahre lang produziert) [12]
Abb. 1.14: Parallaxenfehler bei Sucherkameras
Abb. 1.14: Parallaxenfehler bei Sucherkameras
Parallaxen-Verzeichnung

Sucherkameras haben daher den konstruktionsbedingten Nachteil, dass das Sucherbild und das aufgenommene Bild nicht deckungsgleich sind. Durch den mechanischen Versatz zwischen Filmebene und Sucherbild entsteht die sogenannte Parallaxenverzerrung (siehe auch Abb. 1.14). Bei der Verwendung anderer Objektive mit anderen Brennweiten (bei einigen professionellen Sucherkameras ist das möglich) wird dieser Effekt sogar noch verstärkt. Ein weiterer Nachteil von Sucherkameras ist, dass durch die getrennten Lichtwege durch Sucher und Objektiv keine Kontrolle der Schärfentiefe im Sucher möglich ist.

Spiegelreflexkameras

Die Nachteile einer Sucherkamera können nur ausgeräumt werden, wenn das Licht für das Sucherbild ebenfalls durch das Objektiv in die Kamera gelangt. Das bekannteste Konstruktionsprinzip, mit dem so etwas realisiert wurde, ist die Spiegelreflexkamera.

Funktionsweise
Abb. 1.15: Lichtpfad einer einäugigen Spiegelreflex-Kamera
Abb. 1.15: Lichtpfad einer einäugigen Spiegelreflex-Kamera

Die grundlegende Funktionsweise einer Spiegelreflexkamera beruht darauf, dass sich im Lichtweg der Kamera vor dem Verschluss ein Schwing- oder Klappspiegel mit 45° Neigung befindet. Im Ruhezustand wird so das durch das Objektiv einfallende Licht nach oben auf eine Mattscheibe reflektiert. Das aufgenommene Objekt wird hier auf dem Kopf stehend und seitenvertauscht als reelles Bild abgebildet. Im Dachkant-Pentaprisma wird das Bild dann so umgelenkt, dass es im Okular stehend und seitenrichtig erscheint. Weil das gesamte vom Objektiv aufgenommene Licht als Sucherbild verwendet werden kann, ist dieses sehr hell und deutlich. Änderungen in der Brennweite des Objektivs und die Schärfentiefe werden exakt im Sucherbild angezeigt.
Wird nun der Auslöser gedrückt, klappt der Spiegel von einer Feder getrieben, sich um -45° drehend, nach oben aus dem Lichtpfad. Gleichzeitig öffnet sich der Verschluss. Der Film wird belichtet.

Abb. 1.16: Die erste serienmäßig hergestellte Kleinbild-Spiegelreflexkamera  Kine Exakta 1 (1936)
Abb. 1.16: Die erste serienmäßig hergestellte Kleinbild-Spiegelreflexkamera Kine Exakta 1 (1936) [13]

Spiegelreflexkameras sind ungleich komplexer konstruiert als Sucherkameras. Erste Kameras nach dem Spiegelreflex-Verfahren wurden zwar schon um die Wende zum 19. Jahrhundert entwickelt, die erste serienmäßig und in Stückzahlen gebaute Kleinbild-Spiegelreflexkamera war jedoch erst die Kine Exakta 1 der Firma Ihagee in Dresden (1936). Diese hatte allerdings noch einen Lichtschachtsucher ohne Pentaprisma. Das Sucherbild wurde daher auf dem Kopf stehend und seitenvertauscht abgebildet.

Zweiäugige Spiegelreflexkameras
Abb. 1.17: Die zweiäugige Spiegelreflexkamera Rolleiflex 2.8 FX-N TLR wurde bis 2012 gefertigt.
Abb. 1.17: Die zweiäugige Spiegelreflexkamera Rolleiflex 2.8 FX-N TLR wurde bis 2012 gefertigt. [14]

Ein typischer Vertreter von Spiegelreflexkameras für den Profi (Fotografen, Reporter, ...) sind die zweiäugigen Spiegelreflexkameras. Diese sind mit zwei übereinander liegenden Objektiven ausgestattet. Die Objektiveinstellungen (Fokus, Brennweite) sind mechanisch miteinander gekoppelt. Nur das untere Objektiv ist mit einer Blende und einem Verschluss versehen. Der Spiegel, der das einfallende Licht des oberen Objektivs in den Sucherschacht umlenkt, ist starr. Zur Darstellung des Sucherbildes kommen oft nur Fresnel-Linsen als Mattscheibe zum Einsatz. Eine zusätzliche Lupe ermöglicht eine genaue Scharfstellung des Sucherbildes.
Die Größe des Kameragehäuses erlaubt es größere Filmformate zu belichten. Verwendet wird zumeist der 61,5 mm breite Rollfilm Typ 120. Die Negativgröße beträgt normalerweise 6 cm x 6 cm oder 6 cm x 9 cm.

Zweiäugige Spiegelreflexkameras haben gegenüber den einäugigen den Vorteil, dass sie aufgrund der fehlenden Spiegelmechanik sehr leise sind und die Belichtung erschütterungsfrei erfolgt. Durch den zumeist großen Lichtschachtsucher kann das Sucherbild mit beiden Augen gleichzeitig beurteilt werden. Bei der Belichtung des Films wird das Sucherbild nicht abgedunkelt.

Durch die Verwendung von zwei Objektiven leiden zweiäugige Spiegelreflexkameras, wie die Sucherkameras, unter der Parallaxenverzerrung. Sie ist aber wesentlich geringer als bei Sucherkameras und bei teureren Kameras meist auch kompensiert.

Spiegelreflexkameras für den Massenmarkt

Spiegelreflexkameras erfreuten sich bald höchster Beliebtheit beim Profi wie auch beim Laien. Eine riesige Auswahl von Objektiven, Filtern, Datenrückwänden, Blitzgeräte und sonstigen Zubehör bei erschwinglichen Preisen schuf bald einen Massenmarkt.

Abb. 1.18: Zubehör in jeder Menge
Abb. 1.18: Zubehör in jeder Menge [15]
Abb. 1.19: Die erste Spiegelreflexkamera mit eingebautem Mikroprozessor:  die Canon AE-1
Abb. 1.19: Die erste Spiegelreflexkamera mit eingebautem Mikroprozessor: die Canon AE-1 (1976)

Eine der beliebtesten Spiegelreflexkameras für Konsumenten überhaupt war die Canon AE-1. Sie war die erste elektronische Spiegelreflexkamera mit eingebautem Mikroprozessor. Ausgestattet mit einem Prismensucher, in den viele Information zum eingestellten Objekt eingespiegelt wurden, einer Blendenautomatik, die die Lichtmenge abhängig von der eingestellten Belichtungszeit berechnen konnte und einem präzisen Schnittbildentfernungsmesser erlaubten eine weitgehende Bildgestaltung. Auch Ungeübten konnten sofort qualitativ hochwertige Fotos gelingen.
Die Canon AE-1 wurde von 1976 bis 1984 ca. 5,7 Millionen Mal gebaut. Varianten (A-1, AE-1-Program, ...) hatten noch einmal etwa die gleiche Auflage. Preis der AE-1 bei Markteinführung 1976: ca. 850 DM.

Ausklang der "analogen" Fotografie

Die goldene Zeit der chemischen oder "analogen" Fotografie (manchmal auch als die Zeit der Photographie bezeichnet) hält bis in die ersten der 2000er Jahre an. 2003 wurden mehr Digitalkameras als analoge verkauft. 2006 scheint die Zeit der "analogen" Kameras endgültig vorbei zu sein (Artikel über die Haupttrends der Photokina 2006 bei Spiegel Online). Viele Hersteller von Fotokameras stellen die Produktion von Analogkameras ein. Einige ehemals große Anbieter (z.B. selbst Kodak) schaffen den Anschluss nicht mehr und gehen in die Insolvenz.

2. Die Ära der Digitalfotografie

2.1 Grundlagen der Digitalfotografie

Ein Wort zuvor ...

Dieser Artikel hat die Zielsetzung die Funktionsweisen (und Grenzen) der gebräuchlichsten Typen von Fotokameras der Gegenwart zu beschreiben. Auf eine nähere Beschreibung der jeweils verwendeten Bildsensoren wird hier verzichtet, da der separate Artikel "Bildsensoren" detaillierte Informationen hierzu bereitstellt. Um den Umfang des Artikels in einem gewissen Rahmen zu halten, sind daher an allen wichtigen Stellen Links auf die weiterführenden Kapitel im Artikel "Bildsensoren" angelegt.

Die Entwicklung solcher Kameras, die wir heute als Digitalkameras bezeichnen, erfolgte nicht als Revolution. Vielmehr erfolgte sie in mehreren Stufen. Vorrausetzung war, dass Bildsensoren zur Verfügung stehen, die digital ausgelesen werden konnten. Anfang der 1970 Jahre entwickeln bauen Willard S. Boyle und George E. Smith in den Bell Laboratories den CCD (Charge Coupled Device; ausführliche Beschreibung der Funktionsweise hier). Bereits 1975 konnten beide die erste Kamera mit Halbleitersensor vorstellen, die eine fürs Fernsehen ausreichende Auflösung bot.

Abb. 2.01: Sony MAVICA (Magnetic Video Camera), die erste elektronische Standbildkamera
Abb. 2.01: Sony MAVICA (Magnetic Video Camera), die erste elektronische Standbildkamera [16]

1981 stellte Sony den Prototyp der elektronischen Kamera Mavica (Magnetic Video Camera) vor, die Standbilder auf eine 2''-Diskette speichern und auf einem TV-Gerät wiedergeben konnte. Die Mavica war allerdings keine echte Digitalkamera, sondern mehr eine TV-Kamera, die Einzelbilder mittels eines 10mm x 12mm großen CCDs mit 570 x 490 Pixel aufzeichnen konnte.

In den folgenden Jahren wurden elektronische Kameras entwickelt, die aber Militär, Wissenschaft und Medizin vorbehalten war. Erst Ende der 1980er wurden die ersten echten Digitalkameras, zunächst nur für kommerziellen Einsatz im Studio und in der Werbung, verfügbar. Mit Preisen von mehreren Tausend D-Mark (z.B. für das NIKON QV-1000C-System über 35.000 DM (1988)) waren diese Kameras für Otto Normalverbraucher jedoch unerschwinglich.

Die Entwicklung von kostengünstigen CMOS-Bildsensoren verschaffte der digitalen Fotografie einen kräftigen Schub und führte ab 1995 zu einer reichen Diversifikation des Digitalkamera-Marktes, der sich in mehrere Segmente aufteilte.

3. Kameratypen

Der Markt für Digitalkameras ist breit gestreut und eine Kaufentscheidung ist nicht immer leicht. Um die Eigenschaften der einzelnen Kameratypen zu beschreiben, könnte man sie in mehrere Kategorien einordnen:

Abb. 3.01: Übersicht Digitalkamera-Typen
Abb. 3.01: Übersicht Digitalkamera-Typen

3.1 Kameras mit Wechselobjektiven

Das erste Merkmal zur Unterscheidung kennzeichnet die "Liga" in der eine Kamera spielt. Nur kostspielige Kameras für anspruchsvolle Laien ("Prosumer") und Profis verfügen über die Möglichkeit verschiedene Objektive zu verwenden.

3.1.1 Spiegelreflexkameras

Wie es schon in der analogen Fotografie war, ist eine Spiegelreflexkamera (auch DSLR - Digital Single Lens Reflex genannt) das Nonplusultra für jemanden, der sich ernsthaft mit der Fotografie beschäftigt.

Abb. 3.02: Einäugige digitale Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv (Nikon D7000, 2012)
Abb. 3.02: Einäugige digitale Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiv (Nikon D7000, 2012)

Nur Spiegelreflexkameras sind so wandlungsfähig und lassen sich für nahezu alle Aufgaben umrüsten. Nach oben hin ist alles offen: von der Anzahl der Pixel des Bildsensors, der Brennweite des Objektivs, Verschlusszeiten, natürlich dem Preis und, was nicht unerheblich ist, dem Gewicht. Die Wandlungsfähigkeit einer Spiegelreflexkamera wird von dem Zubehör ausgemacht, das man bereit ist, mit sich herumzutragen. Schon allein das Gehäuse einer Spiegelreflexkamera (ohne Objektiv und Akku) kann zwischen 400 Gramm und 1,5 kg betragen.

Größe Bildsensor: 4/3'' (Four Thirds) bis Vollformat (24 mm x 36 mm)

Preise: ab ca. 350 €

INFO:
Weshalb kein Autofokus im Live- und Videoaufnahmebetrieb?

Sehr interessant ist die Verwendung von Digitalkameras als Videokamera. Bei Spiegelreflexkameras ist dieses allerdings nur mit Einschränkungen zu realisieren.
Damit das Licht auf den Sensor fallen kann, muss zuerst der Spiegel weggeklappt und arretiert werden. Anschließend wird der Verschluss geöffnet und ebenfalls arretiert. Der Sensor wird abgetastet und auf dem Display erscheint das Bild. Die Kamera befindet sich nun im "Live"-Modus. Ein Druck auf den Auslöser speichert die vom Sensor kommenden Daten auf einer FLASH-RAM-Karte. Die Belichtungszeit jedes Bildes wird mittels eines elektronischen Verschlusses (sog. Shutter) über die Auslesezeit gesteuert.

Abb. 3.03: Oben: Im Fotomodus wird ein Teil des einfallenden Lichts auf den AF-Sensor gespiegelt. <br>Unten: Im Live und Videomodus ist der Spiegel weggeklappt. Der AF-Sensor erhält kein Licht mehr. Es ist kein AF möglich.
Abb. 3.03: Oben: Im Fotomodus wird ein Teil des einfallenden Lichts auf den AF-Sensor gespiegelt.
Unten: Im Live und Videomodus ist der Spiegel weggeklappt. Der AF-Sensor erhält kein Licht mehr. Es ist kein AF möglich.

Das besondere an Spiegelreflexkameras ist, dass sich praktisch bei allen Modellen der Sensor für die automatische Fokuseinstellung (AF - Autofokus) auf dem Boden des Gehäuses befindet. Die Entfernungsmessung wird unmittelbar vor dem Auslösen, wenn sich der Hauptspiegel noch im Lichtpfad befindet, vorgenommen. Hierzu wird ein Teil des in das Objektiv fallenden Lichts mit einem kleinen am Hauptspiegel befindlichen Hilfsspiegel auf den AF-Sensor umgelenkt.
Mit dem Auslösen der Live-Funktion klappt nun aber der Haupt- und Hilfsspiegel weg. Der AF-Sensor bekommt kein Licht und kann somit nicht arbeiten.

3.1.2 Spiegellose Systemkameras

Systemkameras sind eine Mischung aus Sucher- und Spiegelreflexkameras. Kompakt, aber vielseitig durch Wechselobjektive.

Abb. 3.04: Systemkamera Canon EOS-M3
Abb. 3.04: Systemkamera Canon EOS-M3 [17]

Da Systemkameras über keinen Schwenkspiegelmechanismus verfügen sind sie von der Baugröße her wesentlich kleiner als Spiegelreflexkameras und auch weniger empfindlich. Der Funktionsumfang einer Systemkamera ist der gleiche wie bei einer Spiegelreflexkamera. Zahlreiche Bedienelemente lassen Systemkameras leicht handhaben. Neben den (oft ausklappbaren) großen LCD-Displays auf der Rückseite bieten viele Systemkameras auch elektronische Sucher mit einem kleinen (OLED-) Display. So kann auch bei hellem Umgebungslicht ein gut erkennbares Sucherbild angezeigt werden. Da Systemkameras, wie Spiegelreflexkameras, zumeist mit relativ großen Sensoren bestückt sind, sind sie sehr lichtempfindlich und zeigen geringes Farbrauschen.

Sensorgrößen: Four Thirds bis APS-H

Preis: ab ca. 350 € bis über 3000 €

3.2 Kameras mit festem Objektiv

3.2.1 Bridge-Kameras

Wie der Name es schon andeutet, bilden Bridge-Kameras eine Brücke zwischen den spiegellosen Systemkameras und den Kompaktkameras.

3.05: Bridge-Kamera
Abb. 3.05: Bridge-Kamera Nikon P520 (2013) mit 18.1 Megapixel CMOS-Sensor, 42-fachen optischen Zoom (24 - 1000 mm), schwenk- und drehbarem LCD-Monitor und integriertem GPS [18]

Ein Kennzeichen für Bridge-Kameras ist der riesige Zoombereich der fest eingebauten Objektive. Mit bis zu über 50fachem optischen Zoom können Brennweiten von wenigen Millimetern (Weitwinkel) bis 1 Meter und darüber hinaus (Supertele, bezogen auf Kleinbildformat → Crop-Faktor) eingestellt werden. Zahlreiche Bedienelemente erlauben eine freie Bildgestaltung. Neben dem obligatorischen LCD-Display auf der Rückseite der Kamera bieten besser ausgestattete Bridge-Kameras auch einen elektronischen oder sogar einen optischen Sucher. Die Nutzung des integrierten, meist optischen, Bildstabilisators ist bei Aufnahmen mit hoher Brennweite Pflicht. Bridgekameras haben zumeist relativ kleine Bildsensoren (1/2,3'' bis max. 4/3'' (Four Thirds)) eingebaut, was sich mit geringerer Auflösung und mehr Rauschen bemerkbar machen kann.
Als Allround-Kameras sind Bridgekameras auch als Videokamera mit bis zu 4K- (UHD-) Auflösung einsetzbar.

Preise: ab ca. 300€ bis über 1800€.

3.2.2 Kompaktkameras

Unter allen Kameratypen stellen sich die Kompaktkameras als die am einfachsten gestalteten dar. Die Ausstattung ist auf die Ansprüche bequemer Fotografen zugeschnitten: Automatiken unterstützen in vielen Aufnahmesituationen, erkennen Gesichter, erledigen die Schärfekorrektur bei anvisiertem Motiv und wählen das am besten geeignete Aufnahmeprogramm.

Abb. 3.06: Kompaktkamera mit elektronischem Sucher (LCD-Display) (Panasonic DMC-TZ7, 2007)
Abb. 3.06: Kompaktkamera mit elektronischem Sucher (LCD-Display) (Panasonic DMC-TZ7, 2007)

Kompaktkameras verfügen über keinen Sucher. Das Sucherbild wird auf einem LCD-Display auf der Rückseite der Kamera angezeigt (was bei hellem Umgebungslicht oft kaum zu erkennen ist). Je nach Preisklasse sind die Gehäuse aus billigem Plastik oder auch aus hochwertigem Magnesiumguss. Charakteristisch für Kompaktkameras sind nur die wenigen Bedienelemente (deshalb die vielen Automatiken!). Für manuell vorzunehmende Funktionen, wie die Einstellung der Bildauflösung oder Blitz (zwangseinschalten oder -ausschalten), müssen über das Display und die Menüführung mit einem Tastenkreuz vorgenommen werden.

Die Objektive sind im einfachsten Fall Fixfokus und starr eingebaut; der Bildstabilisator arbeitet, wie der Zoom  zumeist digital. Die Sensorchips sind aus Kostengründen klein und neigen bei wenig Licht zum Rauschen. Hochwertige Kompaktkameras haben Sensoren mit hervorragenden Eigenschaften und auch einen optischen Zoom. Diese sind in der Lage auch Videos in HD aufzuzeichnen.

3.2.3 Sucherkameras

Sucherkameras gehören mit zu den besser ausgestatteten Kompaktkameras.

Abb. 3.7: Kompaktkamera mit optischem und elektronischem Sucher (Canon IXUS 500, 2004)
Abb. 3.7: Kompaktkamera mit optischem und elektronischem Sucher (Canon IXUS 500, 2004)

Zusätzlich verfügen sie aber entweder über einen optischen Sucher (mit eigener Optik) oder einem Sucherbild, das vom Bildsensor kommt und auf einem kleinen LCD- oder OLED-Monitor in einem separaten Sucherfenster angezeigt wird. Oftmals haben Sucherkameras auch mehr Bedienelemente als Kompaktkameras. Über einen digitalen Zoom hinaus verfügen Sucherkameras auch über einen optischen Zoom.

Wie auch die die analogen Sucherkameras leiden digitale Sucherkameras an der Parallaxen-Verzeichnung.

INFO:

Optischer Zoom oder Digital-Zoom ?

Abbildung 3.08 zeigt wie beide Zoomvarianten funktionieren:

Optischer Zoom

In einem Zoomobjektiv gibt es mindestens drei Gruppen von Linsen: Frontgruppe, Grundobjektiv und dazwischen der bewegliche Variator. Jede Gruppe bricht das einfallende Licht unterschiedlich. Je nach Position der des Variators wird das Objekt unterschiedlich groß abgebildet. Befindet sich der Variator näher zur Frontgruppe wird die Abbildung auf der Filmebene vergrößert. Das Objektiv ist im Telebereich. Stellt man den Variator nach hinten in Richtung Grundobjektiv wird die Abbildung des Objekts verkleinert. Das Objektiv hat nun eine Weitwinkelcharakteristik.

  + theoretisch unendlicher Zoombereich ohne Qualitätsverluste
  -  das Objektiv hat bewegliche Teile → aufwändig und teuer zu fertigen
  -  im Weitwinkelbereich geometrische Verzerrungen

Abb. 3.08:  Optischer vs. Digital-Zoom
Abb. 3.08: Optischer vs. Digital-Zoom
Digital-Zoom

Voraussetzung für einen digitalen Zoom ist, dass der Bildsensor mehr Pixel hat als der Bildspeicher. Die zusätzlichen Pixel befinden sich außerhalb der aktiven Zone des Bildsensors. Die jeweils aktive des Sensors ist in Abb. xx grün hinterlegt, die passiven Pixel sind weiß. Die aktive Zone des Sensors wird von der Kameraelektronik ausgelesen und im Bildspeicher (Video-RAM) zwischengespeichert. Der Inhalt des Video-RAMs entspricht dem, was später als Bild sichtbar ist.

Ist die "Standardbrennweite" (Abbildungsverhältnis 1:1) eingestellt, dienen die passiven Pixel zur Bildstabilisierung. Die Elektronik der Kamera erkennt hierzu markante Punkte im Bild und versucht dann durch ein Verschieben der aktiven Zone die markanten Punkte auf der gleichen Stelle zu halten.

Im Telebereich wird die aktive Zone verkleinert. Sie enthält weniger Pixel. Durch Interpolation mit den benachbarten Pixeln werden jedoch neue Pixel in das Bild hineingerechnet, sodass der Bildspeicher mit einem "aufgeblähten" Bildausschnitt komplett gefüllt ist. 
Die aktive Zone kann jedoch nicht beliebig klein gemacht werden. Bei zu starkem digitalem Zoom stehen dann zu wenig Pixel für eine saubere Interpolation zur Verfügung. Dieses führt zu sichtbaren Strukturen und einem farbigen Rauschen im Bild.

Im Weitwinkel-Modus gehören alle Pixel des Sensors zur aktiven Zone. Da jetzt mehr Informationen anfallen als im Bildspeicher Platz haben, muss durch Herunterrechnen der Auflösung das Bild neu berechnet werden.

+ kostengünstig und leicht
-  Qualitätseinbußen bei starkem Tele oder Weitwinkel

3.2.4 Action-Cams

2002 machte der damals 27jährige Amerikaner Nick Woodman mit Freunden eine mehrmonatige Surf-Tour nach Australien und Indonesien. Um die Reise und seinen Sport zu dokumentieren verwendete Woodman eine kleine 35mm-Kleinbildkamera, die er mit einem Gummiband in seiner Handinnenfläche befestigte. Enttäuscht über die Ergebnisse der so entstandenen Fotos machte sich Woodman nach seiner Rückkehr daran eine für ihn brauchbare Ausrüstung zu entwickeln. Mit geliehenem Geld experimentierte er eine Weile herum und schuf ein seinen professionellen Ansprüchen genügendem System, bestehend aus Kamera, wasserdichtem Gehäuse, diversen Halterungen und Gurten. Die Action Cam war geboren und öffnete für Woodman einen neuen Markt. Seit 2004 vertreibt Woodman dieses Kamerasystem unter dem Markennamen "GoPro" ("mach es professionell") und erzielt(e) Milliarden-Umsätze.
Mittlerweile (2017) hat GoPro seine Alleinstellung verloren, da billig produzierte Nachbauten aus Asien den Markt überschwemmen und auch namhafte Fotohersteller wie Canon, Nikon und Rollei auf den Zug aufgesprungen sind.

Abb. 3.09: Action Cam mit Zubehör. Gurte und Halter erlauben die Befestigung der Kamera vor der Brust, an Helmen  oder Lenkstangen.
Abb. 3.09: Action Cam mit Zubehör. Gehäuse, Gurte und Halter erlauben die Befestigung der Kamera vor der Brust, an Helmen oder Lenkstangen. [19]

Action Cams sind besonders unter Reiselustigen und Sportlern beliebt. Um Outdooraktivitäten wie Tauchen, Surfen oder Drachenfliegen heil zu überstehen, müssen die Kameras klein, robust und einfach zu bedienen sein. Einzige mechanische Bedienelemente sind der Ein/Aus-Schalter (Power/Mode Switch), über den auch die Betriebsart der Kamera eingestellt wird, und der Auslöse-Knopf. Der Kamerastatus kann an einem kleinen LCD-Display abgelesen werden.

Abb. 3.10: Eine Action Cam im wasserdichtem Gehäuse
Abb. 3.10: Eine Action-Cam im wasserdichtem Gehäuse [20]

Teurere Modelle lassen auch die Bedienung mit einen Smartphone oder Tablet über Bluetooth oder WLAN zu.
Action Cams benötigen keinen Sucher, da normalerweise "blind" mit einem extremen Weitwinkel aufgezeichnet wird. Der Weitwinkel liefert einen weiten Bildausschnitt und lässt auch gleichzeitig das Bild ruhiger erscheinen.
Für Fotoaufnahmen und für die Film-/Fotowiedergabe haben einige Action Cams ein (aufsteckbares) LCD-Display, ähnlich den digitalen Kompaktkameras, auf der Kamerarückseite.

Aus Platz- Gewichts- und Preisgründen können in Action Cams keine hochwertigen Objektive eingebaut werden. Daher entstehen unvermeidlich tonnenförmige Verzeichnungen in der Bildgeometrie und Abbildungsfehler wie die Chromatische Aberration (siehe Abb. 3.11).

Abb. 3.11: Typische Abbildungsfehler von einfachen Kameras
Abb. 3.11: Typische Abbildungsfehler von einfachen Kameras [21]

Action Cams haben eine Unmenge an Funktionen und Einstellmöglichkeiten. Dieses beginnt im Fotomodus mit Serienfotos (Burst), Langzeitbelichtungen (Night Laps) und Zeitrafferaufnahmen (Time Laps), geht über die Einstellung von Weißabgleich, ISO und Schärfe weiter bis zu Bildformat, Standard und Auflösung im Videomodus. In einigen Kameras kann die automatische Aufnahmekorrektur abgeschaltet werden um ein Video mit geringerer Kompression in einer Art Raw-Modus aufzuzeichnen. Die Aufnahmen müssen dann allerdings mit einem professionellen Videoeditierprogramm nachbearbeitet werden.

Die Aufzeichnung erfolgt zumeist auf (Micro-) SD-Karten im MPEG-4-Verfahren. Bei Full HD (1920 x 1080 Pixel/50 Hz) entstehen ca. 30 MBit Daten pro Sekunde. Andere Videomodi können manuell eingestellt werden, z.B.: 4K 30/24 Hz, 2,7K 60/48Hz, 1440p 80 Hz, 1080p 120/90 Hz, 720p 120/240 Hz usw. Durch die optionale Verwendung von nichtquadratischen Pixeln können neben 4:3 und 16:9 auch andere Bildformate ("SuperView") erzeugt werden.

Sicherheitsrisiko Action Cams

Bei vielen Fun-Sportarten gehört eine Action Cam einfach mit dazu. Kritisch wird es dann, wenn eine solche Kamera z.B. auf einem Motorrad- oder Fallschirmspringerhelm befestigt wird. Selbst eine leichte Kamera wirkt wie ein verlängerter Hebel auf die Nackenwirbel. So können bei Unfällen mit hohen Geschwindigkeiten große Kräfte frei werden. Die Ursache für die schweren Verletzungen, die sich Michael Schumacher bei einem Skiunfall zuzog, soll eine GoPro Action Cam gewesen sein.

3.2.5 Sofortbildkameras

1942 machte der Physiker Edwin H. Land mit seiner Familie Urlaub in Santa Fe. Es war schönes Wetter und Land machte Fotos. Dabei "löcherte" ihn seine dreijährige Tochter mit der Frage warum sie die Fotos nicht gleich sehen konnte. Während eines Spazierganges überlegte sich Land wie eine Sofortbildkamera funktionieren könnte. Ein Jahr später begann er das Konzept umzusetzen. 1947 stellt Land seine Kamera unter Applaus bei einem Treffen der Optical Society of America vor. Im Jahr darauf beginnt der Verkauf der Land-Kamera. In den 60er und 70er Jahren wurde die Polaroid-Land-Kamera zu einem wahren Kultgegenstand. Flaggschiff war das faltbare Modell SX-70 (ab1973) und später die SLR680 (ab1982).


 

Abb. 3.12: Der "Klassiker" unter den Sofortbildkameras - die Polaroid SX70 (-2005) [22]
Abb. 3.13: Wie die klassischen Sofortbildkameras verwendet die Leica Sofortbildfilme, die chemisch entwickelt werden. [23]
Abb. 3.14: Die Polaroid Z2300 produziert die Bilder mittels eines integrierten Fotodruckers, der ohne Farben auskommt ->ZINK® = Zero Ink [24]

Mit dem Erscheinen der Digitalfotografie brach natürlich auch der Verkauf von Sofortbildkameras und -filmen ein. 2008 stellte Polaroid die Fertigung von Kameras und Filmen ein und ging in die Insolvenz. Damit endet aber nicht die Geschichte der Sofortbildkameras. In vielen Foto- und Filmstudios werden Sofortbilder als "Proof"  verwendet um Licht und Farben zu beurteilen. Auch Architekten und Immobilienmakler verwenden gern Sofortbildkameras um ihre Arbeit fälschungssicher dokumentieren zu können.

2010 schlossen sich ehemalige Mitarbeiter des Polaroid-Fotofilmwerks im niederländischen Enschede zusammen, gründeten die Firma Impossible und nahmen die Produktion von Polaroid-kompatiblen Sofortbildfilmen wieder auf. Auch der Foto- und Filmhersteller Fuji bietet (unter mehreren Namen) wieder Kameras und Filme an.

Die wiedergegründete Polaroid hat ein neues, digitales Sofortbildverfahren entwickelt: Eine Digitalkamera nimmt das Foto auf und schickt es an einen in der Kamera integrierten Farbdrucker. Der Druck erfolgt ohne Tinte, wird daher auch als ZINK® Zero Ink®-Verfahren bezeichnet. Die Farbpigmente befinden sich im Fotopapier und werden durch einen thermoelektrischen Prozess aktiviert.

3.2.6 Lichtfeldkameras

Das Lichtfeld ist eine Funktion, welche die Lichtmenge beschreibt, die an jedem Punkt des dreidimensionalen Raums in alle Richtungen fällt.(https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtfeld). Die Richtung eines jeden Strahls wird von einer mehrdimensionalen plenoptischen Funktion beschrieben und die Stärke des Strahl durch die Strahldichte. Durch die Berücksichtigung dieser zusätzlichen Dimension erhalten Lichtfeld-Fotografien Informationen über die Bildtiefe. Dadurch können die Schärfenebene und die Tiefenschärfe nach der Aufnahme verändert werden oder aber ein 3D-Modell des Objekts geschaffen werden.

Funktionsprinzip

Um ein Lichtfeld aufzunehmen, muss das Objekt aus verschiedenen Perspektiven erfasst werden. Hierzu wird ein 3D-Zwischenbild vor ein Aufnahmeraster projiziert. Dieses kann theoretisch aus vielen Standardkameras, die in einem 2-dimensionalen Gitter angeordnet sind, bestehen. In der Praxis werden statt der vielen Kameras ein Linsengitter mit (bis zu mehreren Zehntausend) Mikrolinsen verwendet. Jede der Mikrolinsen überdeckt dabei mehrere Pixel. Jede Mikrolinse wirkt somit wie eine kleine Kamera, die das Objekt aus einer individuellen Perspektive abbildet.

Abb. 3.15: Funktionsprinzip einer Lichtfeldkamera
Abb. 3.15: Funktionsprinzip einer Lichtfeldkamera

Aus dem aus vielen Mikrobildern bestehenden Rohbild kann mit speziellen Algorithmen eine Tiefenkarte des Gesamtbildes ermittelt werden. Aus dem Rohbild und der Tiefenkarte können anschließend wiederum normale 2D-Bilder mit unterschiedlichen Fokusebenen berechnet werden.

 

 
Abb. 3.16: Lytro Lichtfeldkamera für Konsumenten (2012) [26]
Abb. 3.17: Lytro Illum Lichtfeldkamera (2014, ca. 500€) [27]
Abb. 3.18: Professionelle Lichtfeldkamera von raytrix [28]
Anwendung

Sinnvolle Anwendung haben Lichtfeldkameras (mit spezialisierter Bildbearbeitungssoftware) in der Industrie und Forschung z.B. zur Untersuchung von Oberflächen gewonnen. In der professionellen Fotografie wird die Lichtfeld-Fotografie dann eingesetzt, wenn die Fokussierung oder der Blickwinkel einer Aufnahme nachträglich verändert werden soll.

Video zur Lytro Cinema Studiokamera bei vimeo

Es gibt auch Lichtfeldkameras für Konsumenten (Abb. 3.16). Diese sind aber wohl als Gimmick zu betrachten. Der einzige Hersteller von Consumer-Lichtfeldkameras hat diese Produkte Ende 2016 abgekündigt.

4. Sensorformate

Was früher der Film war, ist heute der Bildsensor - eine lichtempfindliche Fläche, die das fotografierte Objekt speichert. Ein Sensor besteht aus einzelnen Zellen, den Bildpunkten oder Pixeln (Pixel = PICture ELement). Die Anzahl der Pixel bestimmt die physische Auflösung des aufgenommenen Bildes. Aber die Anzahl der Pixel ist nicht das einzige Qualitätsmerkmal eines Sensors. Bis vor wenigen Jahren versuchten sich die Hersteller von Digitalkameras gegenseitig mit der Anzahl von Megapixeln zu überbieten und damit den Konsumenten zu beeindrucken. Mittlerweile haben aber Hersteller und Konsumenten erkannt, dass es auch auf die Sensorgröße ankommt.

Abb. 4.01: Bildsensor der Nikon D-500 (CMOS, DX-Format (23,5 mm x 15,7 mm), 21,51 Mio. Pixel, Crop-Faktor: 1,5)
Abb. 4.01: Bildsensor der Nikon D-500 (CMOS, DX-Format (23,5 mm x 15,7 mm), 21,51 Mio. Pixel, Crop-Faktor: 1,5) [24]

Die Strukturen auf den Sensoren können zwar immer kleiner gemacht werden, wird eine bestimmte Größe aber unterschritten, wirkt sich dieses nachteilig auf die Empfindlichkeit und das Rauschverhalten aus. Die Sensorgröße ist also immer ein Kompromiss aus Herstellungskosten, Kameratyp, Auflösung, Empfindlichkeit und erlaubtem Rauschen. Aus diesem Grund gibt es eine ganze Anzahl von unterschiedlichen Sensorformaten.

Crop-Faktor

Als Bezugsgröße dient nach wie vor das Format des Kleinbildfilms mit 24 Millimeter x 36 Millimeter. In der digitalen Fotowelt wird dieses Format als Digitales Vollformat bezeichnet. Die Brennweitenangaben aller Objektive beziehen sich auf diese Maße. Da aber der Sensor in Kameras zumeist kleiner als Vollformat ist, wird das aufgenommene Bild (bei gleicher Brennweite) theoretisch beschnitten (engl. beschneiden = to crop). Das Verhältnis von der Größe des Vollformats zur tatsächlichen Sensorgröße wird als Crop-Faktor bezeichnet. Dieser wird über die Bilddiagonalen berechnet. Beispiel: Die Diagonale eines Vollformatbildes beträgt 43 Millimeter. Die Diagonale des in Abb. 4.01 gezeigten Sensors beträgt 28 mm. Der Crop-Faktor beträgt somit (43mm / 28 mm =) 1,5. Der Crop-Faktor erlaubt so die Berechnung der wirksamen Brennweite aus der kleinbildequivalenten Brennweite. Beispiel: Ein Teleobjektiv von einer kleinbildequivalenten Brennweite von 100 Millimetern hat bei obigen Sensor einen Bildausschnitt wie ein 150 Millimeter Teleobjektiv.

Abb. 4.02: Sensorgrößen (Abmessungen in Millimeter)
Abb. 4.02: Sensorgrößen (Abmessungen in Millimeter)

REFERENZEN

Abbildungen

[1] Abb. 1.01: "Camera Obscura", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Public Domain

[2] Abb. 1.02: "Das erste Foto der Welt", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Public Domain

[3] Abb. 1.03: "Daguerreotypie-Kamera", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Public Domain

[4] Abb. 1.04: "Boulevard du Temple", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Public Domain

[5] Abb. 1.05: "Lichtempfindliche Platten für Plattenkameras", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[6] Abb. 1.06: "Platten- ("Reise-") Kameras aus handwerklicher und industrieller Fertigung", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[7] Abb. 1.07: "Kodak Nr. 1", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

[8] Abb. 1.08: "Kodak Filmpaket", Quelle: National Media Museum

[9] Abb. 1.09: "Seated man reading a book (1888),
Quelle: The Kodak Collection at the National Media Museum,

[11] Abb. 1.12: "Leica I", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: © Kameraprojekt Graz 2015 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

[12] Abb. 1.13: "Links: Adox", Quelle: InfoTip
"Rechts: Rollei 35 S", Quelle:  Wikimedia Commons
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

[13] Abb. 1.16: "Ihagee Kine Exakta Typ 1" Baujahr 1936
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported .

[14] Abb. 1.17: "Rolleiflex 2.8 FX-N TLR", Quelle: Pressefoto rolleiflex.us

[15] Abb. 1.18: "Zubehör", Quelle: Pressefoto Canon

[16] Abb. 2.01: "Sony MAVICA" Quelle: Pressefoto Sony

[17] Abb. 3.04: "Canon EOS-M3" Quelle: Pressefoto Canon

[18] Abb.3.05: "Bridge-Kamera Nikon P520 (2013) mit 18.1 Megapixel CMOS-Sensor, ..." , Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[19] Abb. 3.09: "Action Cam mit Zubehör", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[20] Abb. 3.10: "Eine Action Cam im wasserdichten Gehäuse", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[21] Abb. 3.11: "Typische Abbildungsfehler von einfachen Kameras", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[22] Abb. 3.12: "Polaroid SX70", Quelle: Tschirschwitz / InfoTip

[23] Abb. 3.13: "Leica Sofort", Quelle: Pressefoto Leica

[24] Abb. 3.14: "Polaroid Z2300", Quelle Pressefoto Polaroid

[25] Abb. 3.16: "Lytro Lichtfeldkamera", Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

[26] Abb. 3.17: "Lytro Illum Lichtfeldkamera", Quelle: Pressefoto Lytro

[27] Abb. 3.18: "Lichtfeldkamera raytrix R29", Quelle: Pressefoto raytrix

[28] Abb. 4.01: "Bildsensor der Nikon D-500", Quelle: Pressefoto Nikon

Weblinks

Geschichte der Digitalkameras (und mehr):
http://www.digicamhistory.com/
https://www.digicammuseum.de/

Die Leica-Story: http://www.lausch.com/leicaanfang.htm

Zum 70. Geburtstag des Sofortbildfilm auf spiegel online:
Edwin Land: "Der Mann ist ein Nationalheiligtum"

Imagefilm GoPro - About Us (YouTube)

Präsentationen und Publikationen über Lichtfeld-Fotografie (Downloads unten auf der Seite)
https://www.raytrix.de/technologie/

 

Zuletzt bearbeitet am 24. April 2017

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