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Energiespeicher:

Grundlagen Primärzellen Batterien

    

Inhaltsverzeichnis

 

1. Allgemeines

Energie kann auf vielerlei Weise erzeugt werden. Oft kann Sie nicht sofort verbraucht werden und muss deshalb gespeichert werden. Im Besonderen gilt dies für die erneuerbaren Energien aus Wind-, Wasser- und Solarkraft. Elektrische Energie ist sehr flüchtiges Gut. Sie kann nicht, wie fossile Brennstoffe, in Tanks oder auf Halde gelagert werden. Eine direkte Speicherung kann nur in den seltensten Fällen erfolgen. Es gibt verschiedene Energiespeicher, die sich in Funktion, Aufbau und insbesondere der Energieform unterscheiden. Denn zumeist muss Elektrizität zunächst in eine andere Energieform gewandelt werden um dann gespeichert werden zu können.

1.1 Elektrische Energiespeicher

1.1.1 Kondensatoren

Die einfachste und direkteste Weise elektrische Energie zu speichern ist das Laden eines Kondensators. Die früheste Form eines Kondensators ist die Kleistsche oder Leiderner Flasche.

Abb. 1.01: Eine Leidener Flasche wirkt wie ein Kondensator
Abb. 1.01: Eine Leidener Flasche wirkt wie ein Kondensator [1]


Das Prinzip der Leiderner Flasche wurde fast zeitgleich und unabhängig voneinander im Jahr 1745 von Ewald Georg von Kleist in Cammin (damals Pommern) und 1746 vom niederländischen Physiker Pieter van Musschenbroek in der Stadt Leiden erfunden.

Eine Leidener Flasche besteht aus einer Glasflasche, die von innen und aussen mit einer Metallfolie umgeben ist. Beide Folien sind mit Anschlusskontakten versehen. Dieses entspricht dem Aufbau eines Kondensators mit zwei Platten, die von einem Dielektrikum auf Abstand gehalten werden. So erzielte man Kapazitäten von bis zu 100 nF und eine Spannungsfestigkeit von nahezu 5000 V.
Die elektrische Ladung erhielten Leiderner Flaschen aus Elektrisiermaschinen.

Abb. 1.02: Moderner Hochleistungskondensator
Abb. 1.02: Moderner Hochleistungskondensator [2]


Abbildung 1.02 zeigt einen modernen Mylar-Hochleistungskondensator wie er zum Betrieb von z.B. Farbstofflasern eingesetzt wird. Der ölgefüllte Kondensator hat eine Kapazität von 6,5 μF bei 5000V. Er kann innerhalb von 1,2 μs entladen werden. Dabei wird eine Impulsleistung von über 70 MW frei. Die Abmessungen sind ca. 20 x 15,2 x 6,4 cm.

1.1.2. Supraleitende Magnetische Energiespeicher

Supraleitende Magnetische Energiespeicher (SMES = Superconducting magnetic energy storage) speichern Energie in einem Magnetfeld, das mit einem Gleichstrom in einer kryotechnisch gekühlten supraleitenden Spule erzeugt wird. Prinzipiell bestehen SMES aus drei Hauptkomponenten: der supraleitenden Spule, dem Kühlsystem und den Energiewandlern (Gleich- und Wechselrichter) zum Laden und Entladen der Spule.
Wurde die Spule einmal auf unterhalb der Sprungtemperatur  (Tc ) (zumeist unter -269° = Siedetemperatur von Helium) abgekühlt, wird sie supraleitend, d.h. sie verliert jeglichen elektrischen Widerstand und ein elektrischer Strom könnte theoretisch unendlich lange ohne Verluste in ihr fließen.
Aufgrund ihrer hohen Lade- und Entladegeschwindigkeit eignen sich SMES besonders als Puffer bzw. Kompensator von Lastwechseln in Industrieanlagen  und in der Militärtechnik. Da der Aufwand für die Kühlung sehr hoch ist und die gespeicherte Energiemenge relativ klein ist (im kWh-Bereich), sind SMES kaum dem Prototypen-, bzw. Versuchsanlagenstatus entwachsen.

Reine elektrische Speicher haben zwar sehr geringe Speicherverluste, weisen aber allesamt nur sehr geringe Speicherkapazität und eine niedrige Dauerleistung auf. Sie dienen daher zumeist nur zur Überbrückung von Momentanlasten und Schwankungen von Versorgungsspannungen.

1.2. Mechanische Energiespeicher

1.2.1. Lageenergiespeicher

Stromerzeugende Kraftwerke sind auf einen Dauerbetrieb hin optimiert und lassen sich nur schwer regeln. Große Laständerungen, z.B. beim Wechsel Tag- und Nachtbetrieb, müssen daher abgefangen werden. Eine einfache Lösung hierfür sind hydroelektrische Pumpspeicherkraftwerke. Ungleich zu normalen Wasserkraftwerken verfügen Pumpspeicherkraftwerke über zwei Wasserreservoire in unterschiedlicher Höhe. Im normalen Betrieb und bei Spitzenlast fließt das Wasser aus dem oberen Reservoir durch die Schwerkraft getrieben bergab in das untere Reservoir. Dabei wird über Turbinen Elektrizität erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Nimmt, z.B. bei Nacht, der Leistungsbedarf im Netz ab, wird von externen Kraftwerken gespeist, Wasser aus dem unteren Reservoir wieder in das obere gepumpt. Die von den externen Kraftwerken an die Pumpen abgegebene elektrische Energie wird durch die Überwindung der Schwerkraft zu einem großen Teil gespeichert.
Der Wirkungsgrad von Pumpspeicherkraftwerken liegt bei ca. 75 %.

Abb. 2.01: Das Pumpenspeicherwerk Geesthacht ist mit einer installierten Leistung von 120 Megawatt (MW) das Größte seiner Art in Norddeutschland.  [<a href="Energiespeicher_Grundlagen_Prim%C3%A4rzellen_Batterien.html#R3">3</a>]
Abb. 2.01: Das Pumpenspeicherwerk Geesthacht ist mit einer installierten Leistung von 120 Megawatt (MW) das Größte seiner Art in Norddeutschland. [3]

Das Oberbecken fasst ca. drei Millionen Kubikmeter Arbeitswasser, ausreichend für viereinhalb Stunden Turbinenvolllast. Zur vollständigen Füllung des Oberbeckens müssen alle drei Maschinensätze ca. neun Stunden im Pumpbetrieb arbeiten. Das Wasser überwindet dabei einen Höhenunterschied von 80 Metern.

Mechanische Speicher, speziell Lageenergiespeicher wie Pumpspeicherkraftwerke, können sehr große Energiemengen speichern und auch über einen längeren Zeitraum kontinuierlich abgeben. Ihr Nachteil ist aber, dass sie relativ träge sind und es ziemlich lange dauert sie "aufzuladen".

1.2.2. Bewegungsenergiespeicher (Kinetische Energiespeicher)

Eine weitere Variante elektrische Energie mechanisch zu speichern sind Schwungräder. Wird ein Schwungrad in Rotation gebracht, wird hier durch kinetische Energie (Bewegungsenergie) gespeichert. Die gespeicherte Energie kann entweder direkt mechanisch als Bewegungsenergie (z.B. Gyrobus) oder z.B. über einem Generator als elektrische Energie wiedergewonnen (z.B. in Satelliten oder Rennwagen) werden.

 

1.3. Elektrochemische Energiespeicher

Begriffsklärung

Als Elektrochemie wird bezeichnet, wenn ein elektrischer Strom eine chemische Reaktion bewirkt. Das kleinste Element hierin ist die elektrochemische Zelle. Man kann mehrere Grundtypen von elektrochemischen Zellen unterscheiden:

  • Galvanische Zelle
    Eine Galvanische Zelle dient zur Gewinnung von elektrischem Strom. Das Grundprinzip einer galvanischen Zelle ist die Kombination zweier unterschiedlicher Elektrodenmaterialien mit einem Elektrolyten. Es findet eine spontane Umwandlung von chemischer Energie in elektrische Energie statt. Die Serienschaltung mehrerer Zellen wird als Batterie bezeichnet.
    • Primärzellen
      Ist die chemische Energie (= elektrische Ladung) der Zelle bereits beim Zusammenbau der Zelle enthalten, spricht man von einer Primärzelle. Primärzellen können nur einmal entladen werden.
    • Sekundärzellen
      Sekundärzellen oder auch Akkuzellen sind so konstruiert, dass die bei der Entladung abgegebene Energie durch eine Aufladung mit einem entgegengesetzten Ladestrom ersetzt werden kann.
    • Brennstoffzellen
      Brennstoffzellen wandeln die chemische Energie aus der Reaktion eines zugeführten Brennstoffs mit einem Sauerstoffträger in Elektrizität um. Im Gegensatz zu Batterien, bei denen die komplette elektrochemische Energie bereits in der Batterie befindet, muss bei Brennstoffzellen kontinuierlich der Brennstoff, z.B. Wasserstoff, zugeführt werden.
  • Elektrolysezellen
    Durch das Anlegen einer Gleichspannung an eine Elektrolysezelle werden chemische Reaktionen (Elektrolyse) hervorgerufen, durch die z.B. in metallionenhaltigen Lösungen (Elektrolyte) vorhandenen Metalle in höchster Reinheit abscheiden kann. Dieser Effekt wird u.a. bei der (Rück-) Gewinnung von Aluminium oder Kupfer und bei der Beschichtung (Verzinkung, Chromatierung) von Werkteilen angewandt.
    Indirekt können Elektrolysezellen auch als Energiespeicher betrachtet werden, da man in ihnen Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen kann, wobei dann der Wasserstoff als Brennstoff für Brennstoffzellen dienen kann.

 

2.3.1. Historisches

Abb 3.01: Entdeckung der Elektrizität an Froschschenkeln  [<a href="Energiespeicher_Grundlagen_Prim%C3%A4rzellen_Batterien.html#R4">4</a>]
Abb. 3.01: Entdeckung der Elektrizität an Froschschenkeln [4]

Im November 1780 experimentierte der italienische Physiker, Biologe, Mediziner und Philosoph Luigi Galvani mit präparierten Froschschenkeln und metallenen Elektroden. Dabei entdeckte er, dass bei Berührung der Muskeln des Froschschenkels mit zwei unterschiedlichen Metallen, z.B. Kupfer und Eisen, diese reproduzierbar kontrahierten. Dieses Phänomen wurde als Tier- oder Bioelektrizität, später als Galvanismus bezeichnet. Galvanis Entdeckungen bildeten die Grundlage für die Arbeiten von Alessandro Volta.

Volta, derzeit Professor für Experimentalphysik in Padua erfuhr erst 1792, also zwölf Jahre später, von Galvanis Frosch-Experimenten. Volta deutete das Phänomen jedoch gänzlich anders als Galvani. Ging Galvani davon aus, dass die Elektrizität vom Muskel erzeugt wurde, vermutete Volta dass die Muskelkontraktionen durch "Kontaktelektrizität" ausgelöst wurden. Die folgenden Forschungen zur Kontaktelektrizität führten Volta dann zur Entwicklung des Volta-Elements, der Galvanischen Zelle und (ca. 1800) der Voltaschen Säule, der Vorläuferin aller modernen Batterien.

Abb. 3.02: Volta-Element
Abb. 3.02: Volta-Element

1.3.1.1. Kurzbeschreibung Volta-Element

Das Volta-Element gilt als Urtyp aller Galvanischen Zellen. Sie besteht aus zwei Elektroden unterschiedlicher Metalle wie Kupfer und Zink oder Silber und Zink. Beide Elektroden tauchen in ein neutrales Elektrolyt wie Salzwasser oder in ein saures Elektrolyt wie verdünnte Schwefelsäure. Durch eine Redox-Reaktion (Oxidation an der Zinkelektrode / Reduktion an der Kupferelektrode) stellt sich zwischen den Elektroden ein elektrischer Potentialunterschied ein. Verbindet man die Elektroden miteinander, fließt ein elektrischer Strom. Bei bestimmten Kombinationen von Elektrodenmetall und Elektrolyt kann elementarer Wasserstoff frei werden.

1.3.1.2. Die Voltasche Säule

Abb. 3.03: Voltasche Säule
Abb. 3.03: Voltasche Säule [5]

Eine erste praktikable Anwendung des Prinzips des Volta-Elements gelang Volta mit der Konstruktion der Voltaschen Säule. Ein Volta-Element bzw. eine Zelle bestand aus drei Scheiben: eine aus Kupfer, eine aus Zink und dazwischen eine Scheibe aus grober Pappe oder Leder, die zuvor mit einer Salzlake (später auch andere Elektrolyte) getränkt wurde. Eine solche Zelle lieferte knapp ein Volt Spannung. Voltas geniale Idee war es nun mehrere solcher Zellen zu stapeln und die erste Scheibe (Kupfer = Pluspol) und die letzte Scheibe (Zink = Minuspol) mit einen Anschluss zu versehen. Die Spannung zwischen den Anschlüssen betrug eine Zellenspannung multipliziert mit der Anzahl der Zellen. Mit der Voltaschen Säule stand nun erstmalig eine zuverlässige, kontinuierlich funktionierende Stromquelle zur Verfügung, die die Forschung schnell in nahezu allen Bereichen, besonders der Elektrizität, der (Elektro-) Chemie und der Kommunikation vorantrieb. Die Voltasche Säule ist wohl eine der wichtigsten Erfindungen überhaupt.

1.3.2. Grundlagen Elektrochemie

1.3.2.1. Die Galvanische Zelle

1.3.2.2. Galvanische Zellen und Halbzellen

Galvanische Zellen sind Gleichspannungsquellen, in denen chemische Energie direkt in elektrische Energie gewandelt wird. Eine galvanische Zelle besteht aus zwei Halbzellen. In jeder der Halbzellen befindet sich ein Elektrolyt (zumeist eine Säure = Metallsalz in wässriger Lösung) und eine Metallelektrode. Die Trennung der Elektroden in  zwei Halbzellen hat den Vorteil, dass der Elektrolyt optimal an das Elektrodenmaterial angepasst werden kann. Ein Aufzehren der Anode durch den Verlust von Material durch die Bildung von Ionen kann vermindert werden (durch "Nachschub" aus dem Elektrolyt). Eine Durchmischung der unterschiedlichen Ionen im Elektrolyt kann reduziert werden (Beispiel: im Volta-Element wandern negative SO42- -Ionen (Sulfat-Ion = Säurerest der Schwefelsäure) schnell in Richtung Anode und neutralisieren die durch die Oxidation des Zinks entstandenen positiven Zink-Ionen).
Dadurch erhöhen sich die Kapazität und die Lebensdauer der Zelle um ein Vielfaches. Eine der ersten und wichtigsten Galvanischen Zellen ist das Daniell-Element, dessen elektrochemischer Unterbau in den folgenden Kapiteln beschrieben werden soll.

1.3.2.3. Elektrochemische Standardspannung

Befindet sich eine Elektrode in einem Elektrolyt, versuchen die Metall-Atome der Elektrode in Lösung zugehen. Dabei bilden sich Metall-Ionen, indem jedes in Lösung gehende Metall-Atom zwei Elektronen an die Elektrode abgibt. Diese sogenannte Oxidation erzeugt einen osmotischen Lösungsdruck. An der Grenzfläche zwischen Elektrode und Elektrolyt entsteht eine Doppelschicht, an der sich die negativen Elektronen auf der einen Seite einer entsprechenden Zahl von positiven Metallionen auf der anderen gegenüberstehen. Die Elektrode ist somit gegenüber der Schicht im Elektrolyten negativ geladen. Dieser Potentialunterschied wird als "Elektrochemische Standard- oder "Normalspannung" bezeichnet. Bei Metallen spricht man auch vom Redox-Potential. Die Höhe des Potentialunterschieds hängt im Wesentlichen davon ab, wie leicht die Metall-Ionen Elektronen aufnehmen können (die sog. REDuktionsfähigkeit), bzw. abgeben (OXidation) können. Beispiel:

Abb. 3.04: Galvanische Halbzellen
Abb. 3.04: Galvanische Halbzellen

Abb. 3.04: Durch die Abgabe von Elektronen (Oxidation) gehen Metallatome in den Ionenzustand über und gehen in Lösung. Die Elektronen verbleiben auf der Elektrode zurück. Weil Kupfer "edler" als Zink ist, nehmen die Kupfer-Ionen  Elektronen leichter auf als Zink-Ionen. Deshalb ist das Redoxpotential des Cu/Cu2+-Paares mit +0,35 V wesentlich positiver als das des Zn/Zn2+-Paares des unedleren Zinks mit −0,76 V.

1.3.2.4. Die Elektrochemische Spannungsreihe

Die Standardspannung (E0) einer Halbzelle ist für jedes Metall charakteristisch. Die Reduktionsfähigkeit wiederum abhängig ist von der Oxidationsstufe des Elektrodenmaterials, vom Typ des Elektrolyt, dessen Konzentration und auch der Temperatur. Alle Standardspannungen der Metalle und deren unterschiedlichen Oxydationsstufen können in einer Elektrochemischen Spannungsreihe (Tab. 3.01) eingeordnet werden. Je edler ein Metall ist, desto geringer ist der Lösungsdruck und umso weniger Ionen kann es freisetzen.
Eine echte, direkte Messung der Standardspannung ist wegen des Fehlens eines physischen Bezugspotentials nicht möglich. Sie kann aber mit der Nernst-Gleichung berechnet werden. Alle Spannungen in der Spannungsreihe werden dabei auf das Standardpotential einer Wasserstoff-Halbzelle bezogen.

Tab. 3.01: Elektrochemische Spannungsreihe (Werte aus Wikipedia)
Tab. 3.01: Elektrochemische Spannungsreihe (Werte aus Wikipedia)
Abb. 3.05: Frost-Diagramm von Mangan in flüssiger Säure (pH = 0). Quelle  [<a href="Energiespeicher_Grundlagen_Prim%C3%A4rzellen_Batterien.html#R2">2</a>]
Abb. 3.05: Frost-Diagramm von Mangan in flüssiger Säure (pH = 0). [6]

Für die Darstellung der Standard- Spannungen von Metallen in ihren verschiedenen Oxydationsstufen (und ggf. unterschiedlichen pH-Werten des Elektrolyt) werden in der Elektrochemie auch sog. Frost-Diagramme  nach Arthur Atwater Frost (Abb. 3.05) angewendet.

1.3.3. Galvanische Zellen als Primärzellen (Batterien)

1.3.3.1 Das Daniell-Element (Galvanische Zelle)

Galvanische Zellen bestehen aus zwei unterschiedlichen Halbzellen, die über einen Ionenleiter miteinander verbunden sind. Dieses kann ein Diaphragma oder eine Salzbrücke sein. Abb. 3.07 zeigt eine Anordnung, die als Daniell-Element (nach dem englischen Chemiker John Frederic Daniell (1790-1845)  bezeichnet wird. Ein Daniell-Element besteht im Prinzip aus einer Zink-Halbzelle und einer Kupfer-Halbzelle, so wie sie in Kapitel 1.3.2.3. beschrieben sind.

Zellenspannung (ΔE0)

Wie bereits beschrieben gehen an der Zinkelektrode (der Anode der Zelle) Zinkatome in Lösung und geben jeweils zwei Elektronen an die Elektrode ab. Der gleiche Vorgang geschieht auch an der Kupferelektrode (der Anode der Zelle), nur steht an der Kupferelektrode statt -0,76V nur 0,34 V Normalspannung an. Misst man die nun die Spannung zwischen den beiden Elektroden, wird man feststellen, dass sich beide Normalspannungen addieren. Die Zellenspannung beträgt 0,76 V + 0,34 V = 1,1V. In beiden Halbzellen herrscht ein elektrochemisches Gleichgewicht, da sich in jeder Zelle an den Elektroden exakt die Menge an Elektronen befindet um alle Metall-Ionen im Elektrolyt zu Atomen zu reduzieren. Aufgrund der höheren Reduktionsfähigkeit von Zink herrscht auf der Zinkelektrode ein Elektronenüberschuss während auf der Kupferelektrode ein Elektronenmangel besteht. 

Abb. 3.06: Eine Galvanische Zelle (Daniell-Element)
Abb. 3.06: Eine Galvanische Zelle (Daniell-Element)

Verbindet man nun die beiden Elektroden mit einem elektrischen Leiter, fließt ein Strom und es startet eine sog. Redox-Reaktion:

Abb. 3.07: Reaktionsgleichung eines Daniell-Elements
Abb. 3.07: Reaktionsgleichung eines Daniell-Elements
Abb. 3.08: Daniell-Element, Historische Darstellung
Abb. 3.08: Daniell-Element, Historische Darstellung [7]

Elektronen fließen von der Zinkelektrode über den Leiter in die Kupferelektrode ab. Das bedeutet, dass sich mehr Elektronen in der Kupferhalbzelle befinden als durch Kupfer-Ionen ladungsmäßig ausgeglichen werden können. Dieses führt dazu, dass Kupfer-Ionen (Kationen) aus dem Elektrolyt zu Metallatomen reduziert werden, die sich an der Elektrode absetzen. Dabei baut sich ein negativer Ladungsschuss durch Sulfat-Ionen SO42- (= Anionen) im Elektrolyt auf.

Gleichzeitig oxidieren (unter Abgabe von Elektronen) an der Zinkelektrode aufgrund der zur Kathode abfließenden Elektronen und dem sinkenden negativen Potentials immer mehr Zinkatome in den Ionenzustand und gehen in Lösung. Es entsteht im Elektrolyt der Zinkhalbzelle ein positiver Ladungsüberschuss.

Der Stromkreis schließt sich über die Ionenbrücke: Die negativen Sulfat-Ionen SO42- (= Anionen) diffundieren durch über die Ionenbrücke in den Elektrolyt der Zinkhalbzelle und gleichen dort den positiven Ladungsüberschuss aus.

Eine Wanderung der Zink-Ionen zur Kupferhalbzelle findet praktisch nicht statt. Da aber weiterhin Zinkatome der Anode oxidiert werden, nimmt die Masse der Anode immer mehr ab, während die Kupferelektrode an Masse gewinnt. Wenn keine Zink-Ionen mehr gebildet werden können, z.B. weil die positive Ladung des Elektrolyten im Anodenbereich nicht mehr durch negative Sulfat-Ionen ausgeglichen werden kann, ist die  in der Zelle gespeicherte chemische Energie aufgebraucht.

1.3.3.2. Das Leclanché-Element - die erste Batterie in Massenproduktion

Die Urform (Abb. 3.08 links) des von Georges Leclanché 1866 entwickelten Leclanché-Elements besteht aus einem Glasgefäß das eine Salmiak- (Ammoniumchlorid (NH4CL))-Lösung als Elektrolyt enthält. In dieser befindet eine Zelle aus einem porösen Tontopf mit einer Kohleplatte als Kontaktträger (in Abb. 3.08 links "K"). Diese von einem groben Gemisch aus Kohle und Braunstein (Mangandioxid(MnO2)) umgeben. Diese Zelle bildet die Kathode des Elements. Die Anode ist ein Zinkstab ("Z"), der ebenfalls ins Elektrolyt taucht.

An der Anode erfolgt nun eine Oxidation der Zinkelektrode mit einer elektrochemischen Standardspannung von E0 = -0,76 Volt. In der Kathodenzelle wird der Braunstein zu Manganoxidhydroxid reduziert. Die hierfür benötigten positiven Wasserstoff-Ionen (Protonen) liefert der Elektrolyt. Die elektrochemische Standardspannung an der Kathode beträgt E0 = +0,74. Die Zellenspannung  (ΔE0) zwischen den Elektroden des Elements summiert sich somit auf ca. 1,5 Volt.

Abb. 3.09: Aufbau eines Leclanché-Elements (links Historische Darstellung [3])
Abb. 3.09: Aufbau eines Leclanché-Elements (links Historische Darstellung [7])
Abb. 3.10: Reaktionsgleichung eines Leclanché-Elements
Abb. 3.10: Reaktionsgleichung eines Leclanché-Elements

Die Urform des Leclanché-Element war für einen praktikablen Alltagsgebrauch ebenso wenig tauglich wie das Daniell-Element. Das Leclanché-Element erwies sich aber als überaus weiterentwicklungsfähig. Das flüssige Elektrolyt zunächst mit Sägemehl oder Stärke eingedickt. Aus einer Nassbatterie wurde eine auslaufsichere Trockenzelle. Die Zinkelektrode wurde zu einem Becher ausgeformt, der das komplette Element aufnehmen konnte. Die klassische Kohle-Zink-Batterie (Abb. 3.09 rechts) war geboren. Für viele Jahrzehnte diente sie z.B. in Telegrafiestellen als sichere Energiequelle.

 

Referenzen

 
 
Abbildungen

 

[1] Leidener Flasche: Lizenz: Rama, CC BY-SA 3.0 fr , CC BY-SA 2.0 fr or CeCILL 
Quelle: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Leyden_jar-MHS_1188-P5200043-white.jpg)

 

[2] Hochleistungskondensator: Lizenz: Creative Commons CC0 1.0 Universal Public Domain
Quelle: Wikimedia Commons (https:/commons.wikimedia.org/wiki/File:Mylar-film_oil-filled_low-inductance_capacitor_6.5_MFD_@_5000_VDC.jpg

 

[3] Luftbild "Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht" Quelle:Vattenfall Pressefoto

[4] Abb.3.01 Entdeckung der... : Quelle: href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Galvani-frogs-legs-electricity.jpg"

Lizenz: Public Domain

 

 

[5] Abb. 3.03 Voltasche Säule Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pila_di_Volta.jpg (Bearbeitet on Luigi Chiesa.)

Lizenz:

GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2

Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung 3.0 nicht portiert“

 

[6] [6] Abb. 3.05: Frostdiagram Mangan: By Jlange1125

Lizenz: GFDL or CC BY-SA 3.0 ], via Wikimedia Commons

Quelle:  Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frost_Diagram.png

 

 

[7] [7] Abb. 3.09 und 3.09: Quelle Meyers Konversations-Lexikon Vierte Auflage  von 1889

Lizenz: Gemeinfrei

 

[

Batterien: http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Image:Volta_batteries.jpg&oldid=98003642

 

WebLinks

 

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